Riehler Geschichte

von J. Brokmeier
Geboren 1944, wuchs er in den Riehler Heimstätten auf und war dort später in verschiedenen Aufgaben von 1969 bis 2004 tätig.
Seit 1984 sammelt er Ansichtskarten von Köln Riehl und befasst sich mit der Geschichte dieses Ortsteils.

Kölner Klub für Hockey- und Tennissport „Schwarz-Weiß“(KKHT)

Auch wenn die Sportanlage des Kölner Klubs für Hockey- und Tennissport „Schwarz-Weiß“ von 1920 seit 1975 durch die kommunale Gebietsreform nicht mehr zu Riehl, sondern zu Niehl gehört, so liegt sie immer noch „gefühlt“ in Riehl.

Innenansicht des Klubheim um 1937 Repro: J. Brokmeier

2020 feierte der KKHT sein 100-jähriges Jubiläum und ist also nunmehr über 100 Jahre in Riehl. Die erste Zeit nach der Gründung des Vereins spielten die Mitglieder in Poll und erst 1921 konnte der KKHT ein Gelände in Riehl erwerben. Die ersten Plätze und ein einfaches Holzklubhaus befanden sich in der Riehler Str. 262, wo bis 1913 die chemische Fabrik Weiler ter Meer und bis vor kurzen Zeit noch die Star-Tankstelle an der Haltestelle Boltensternstraße beheimatet war.

Das zerstörte Klubheim 1945
Quelle Klubarchiv Repro: J. Brokmeier

Von 1927 bis 1929 wurde die Mülheimer Brücke gebaut und damit wurden auch die Straßenführungen der Riehler Straße und der Straße An der Schanz zur Brücke erweitert. So musste der Tennisklub weichen und erhielt nördlich der Mülheimer Brücke ein Ersatzgelände, das bis heute noch die Spielflächen, die Hallen und das Klubhaus beherbergt. Gleichzeitig wurde damals (Grundsteinlegung Juni 1931) ein neues Klubheim errichtet.

Da im Krieg die Mülheimer Brücke ein wichtiges Ziel bei Luftangriffen war, errichtete das Militär auf dem Dach des Klubheimes eine Flakstellung. Diese wurde 1944 getroffen und damit das Gebäude zerstört. In den Jahren 1945 bis 1947 erfolgte der Wiederaufbau des Klubheimes, das in späteren Jahren mehrfach umgebaut und erweitert wurde.

Das neue Klubheim um 1961 Repro: J. Brokmeier

In der Vorkriegszeit hatte der KKHT 250 Mitglieder, 1945 waren es gerade noch 61 und nunmehr verfügt der Klub über 1300 (meist aktive) Mitglieder. Es kann nicht nur Hockey und Tennis gespielt werden, sondern auch Lacrosse. Der Breitensport ist nicht das einzige Standbein des Vereins. Mit zahlreichen Leistungsmannschaften nimmt er auch an Meisterschaftsrunden teil. Ein besonderes Augenmerk legt der Verein auf die Förderung der Jungmannschaften.

Ein Blick auf die heutige Klubanlage
Foto: Herbert Bohlscheid

Das Gelände konnte 2020 erweitert werden, da der daneben liegende Fußballverein SV Viktoria Köln 1904 den Ascheplatz abgetreten hatte. Es stehen nunmehr 20 Tennisfelder und eine Sportanlage mit zwei Kunstrasenplätzen bereit, auch über je eine Hockeyhalle und eine Tennishalle verfügt der Verein. Damit das Klubleben nicht zu kurz kommt, steht das Klubhaus zur Benutzung frei. Die Bewirtung hat nunmehr Georgios Ntagiantas übernommen und bietet 110 Gästen Platz.

Das Ende des Vergnügungsparks

An der Riehler Straße 161 – 163 stand um 1900 die Gaststätte Hohenzollerngarten mit Tanzsaal, Gartenpavillon, Frühstücksstube und einem großen Gartengelände. Im Jahr 1908 errichtete der Besitzer auf seinem Gelände die große Rodelbahn „Alpensport“, die wohl einen großen Anklang bei den Gästen fand.

Brand im Luna-Park Repro: J. Brokmeier

Diese Rodelbahn war die Keimzelle des „Amerikanischen Vergnügungsparks“, der ab 1909 auf dem Gelände zwischen Riehler Straße, Frohngasse, Neusser Glacis und Florastraße errichtet und am 15.5.1909 offiziell eröffnet wurde. Das Gelände lag aber im Rayonbereich und durfte nicht massiv bebaut werden, damit im Falle eines feindlichen Angriffs auf Köln die Bauten schnell niedergelegt werden konnten, um ein freies Schussfeld für das Militär zu erreichen. Das Gelände umfasste 40.000 qm. Diese Leichtbauweise wurde in späterer Zeit ein Problem für den Park.

Nachdem der Luna Park nach der Pause im Ersten Weltkrieg in der Zeit der englischen Besatzung (1920 – 1926) eine neue Blüte erlebt hatte, ließ Ende der 20er Jahres des letzten Jahrhunderts das allgemeine Interesse durch fehlende Kaufkraft in der Bevölkerung nach. Die Gebäude waren wegen der Holzkonstruktion nachweislich durch Feuer gefährdet und so plante der Rat der Stadt Köln auf diesem Gelände die Fortführung der Grünanlage bis zum Rhein.

Plan des Grüngürtels, Fritz Encke 1923 Repro: J. Brokmeier

Das alles war der Grund für das Ende des Vergnügungsparks. Arbeitslose legten zum Ende der 1920er Jahre die Attraktionen im Rahmen von Notstandsarbeiten nieder und schufen Grünflächen, die bis heute in dem Dreieck Amsterdamer Straße, Riehler Straße und Zoobrücke zu sehen sind.

Diese Grünzone ist somit das letzte Überbleibsel der großen Vergnügungsmeile für die Kölner Bevölkerung.

Jubiläum Inf. Reg. 65 im Jahr 1910

Festkarte zum Jubiläum 1910 (Repro: J. Brokmeier)

1860 wurde das Infanterie-Regiment Nr. 65 gegründet und war in der Mülheimer Kaserne stationiert. Im Kampf gegen Österreich wurde die Einheit bei der Schlacht bei Königgrätz eingesetzt. Im Krieg 1870/71 kam auch dieses Regiment in Frankreich zum Einsatz.

Der Bau der Kasernenstadt ab 1906 in der Mülheimer Heide an der Boltensternstraße brachte dem Regiment einen neuen Standort. Die Anlage im nördlichen Teil bestand aus sechs Mannschaftsgebäuden, in denen jeweils 2 Kompanien untergebracht waren. Außerdem lagen drei Wirtschaftsgebäude, ein Stabsgebäude, vier Familienhäuser und ein Kammergebäude um den großen Exerzierplatz.

Kasernenbau für die englischen Besatzungssoldaten 1919-1926 (Repro: J. Brokmeier)

Das Jahr 1910 war für das Regiment sehr anstrengend. Es musste am 2.7. das Jubiläum zum 50jährigen Bestehen gefeiert werden. Im gleichen Jahr begann dann auch der Umzug von Mülheim, der im Jahr 1912 mit der 12. Kompanie abgeschlossen werden konnte. 1918, nach dem Ende des Krieges, zogen die englischen Soldaten in diesen Kasernenteil ein.

Nach dem Abzug der englischen Besatzung 1926 wurden die Gebäude des ehemaligen Inf. Reg. Nr. 65 ab 1927 zum „Wohnstift“ der Riehler Heimstätten mit ca. 500 Wohnungen für 700 alte Menschen, die sich aber noch selbst versorgen konnten, umgebaut.

Wohnstifthäuser der Riehler Heimstätten um 1927 (Repro: J. Brokmeier)

Diese vier Mannschaftsgebäude, die man hier sieht, und ein Wirtschaftsgebäude bestehen heute noch.

Hotel Schäfer

 Gaststätte Zipps, Verlag Fleischbein, Höchst (Repro: J. Brokmeier)

Am 19.6.1952 wurde das Hotel Schäfer in der Riehler Str. 225 eröffnet, an das sich noch viele Riehler wegen der guten Küche erinnern können und wo man seinen Besuch übernachten lassen konnte. Diese Adresse hatte aber eine lange gastronomische Vorgeschichte. Bereits 1876 wird hier das Restaurant von Peter Zipps erwähnt.

1925 wird Hubert Teves als Restaurateur erwähnt, der sein Café nach dem Bau der Brücke 1929 in „Gaststätte zur Mülheimer Brücke“ umbenannte.

 Gaststätte „Zur Mülheimer Brücke“, Verlag Rosell, Köln (Repro: J. Brokmeier)

Sehr beliebt war auch der bewirtete „Große Garten mit Kinderspielplätzen“.

Im Krieg wurde die Gaststätte zerstört und der Gastwirt Jakob Schäfer, der bis dahin im Haus Riehler Str. 231 (dem späteren Monheimer Hof) eine Gaststätte betrieben hatte, baute nun auf dem Grundstück 225 eine neues Hotel mit Restaurant, wie eingangs beschrieben.

Das Haus wurde Anfang der 1970er durch Franz Pieritz weitergeführt, schloss aber in den folgenden Jahren. Nach einem langen Leerstand und wechselnden Zwischennutzungen übernahm 1992 das Autohaus Nord das Gebäude und vor allem den Innenhof als Stellfläche für Autos und die Werkstatt.

 Terrasse des Lokals, Verlag Rosell, Köln (Repro: J. Brokmeier)

Eröffnung des Botanischen Gartens am 30.5.1914

In Köln gab es bereits um 1200 einen Botanischen Garten, der durch Albertus Magnus belegt ist. Nach vergleichbaren Anlagen in anderen Städten wurde 1842 zwischen der St. Maria-Himmelfahrt-Kirche und dem Rhein durch die Mineralwasser-Aktiengesellschaft ein Botanischer Garten als „Spaziergang für die Kurgäste“ angelegt. 1857 wurde dieses Gelände zum Bau des Hauptbahnhofs verkauft und so reifte der Plan für den Bau der Flora in Riehl.

Eingang Am Botanischem Garten heute

1897 wurde am Vorgebirgstor der „Zentral-Schulgarten“ der Stadt Köln angelegt und der Höheren Handelsschule (Vorläufer der neuen Universität) angegliedert. Aber auch hier bescherte der Ausbau der Eisenbahn (Güterbahnhof Sülz) dem Garten ein Ende und es wurde eine neue Bleibe für den „Lehrgarten“ in Riehl, nördlich der Flora gefunden.

Am 30.5.1914 konnte der Botanische Garten eingeweiht werden, der durch eine Sandsteinmauer von der Flora getrennt war. Der Eingang befand sich in der Straße Am Botanischen Garten 19 gegenüber der Bodinusstraße.

Eine Stele mit den Lebensdaten von Dr. Esser

Direktor Dr. Peter Esser (1859-1945) war auch hier der Leiter und eine Stele mit Sonnenuhr erinnert heute noch an seine Leistungen. Neben der Funktion als Lehrgarten stellt das Alpinum mit dem Seerosenteich einen optischen Höhepunkt dar.

1919 übernimmt die Stadt Köln den Betrieb der Flora und 1920 werden die beiden Teile – Flora und Botanischer Garten – zum „Botanischen Garten der Stadt Köln“ vereint, auf das Eintrittsgeld wurde verzichtet. Damit steht bis heute die Gartenanlage allen Besucher*innen offen. Die Mauer zwischen den beiden Bereichen wurde niedergelegt und diese Erweiterung der Grünanlage wurde von den Kölner*innen gerne angenommen.

Heute erinnern, wenn man über die Palmenallee nach Norden geht, die vielen Beetanlagen, in denen heute noch heimische Nutzpflanzen wie Getreide, Kartoffeln usw. gezeigt werden, an die alte Zweckbestimmung des Lehrgartens. Im Gegensatz dazu wurde in der Flora mehr Wert auf die Landschaftsgestaltung gelegt, wie das französische Parterre, den englische Landschaftsgarten oder die italienische Wasserkunst.

Kinder im Alpinum 1953 (Repro: J. Brokmeier)

Riehler Gaststätten – gestern und heute

Information zur Ausstellung im Monat Mai 2022 im Schaufenster des Malergeschäfts Lanz, Stammheimer Str. 100 in Köln-Riehl:

Riehl war für lange Jahre durch den Zoo, die Flora und den Luna Park der angesagte Vergnügungsort von Köln, in den am Wochenende viele Kölner*innen pilgerten. Auch die hier stationierten deutschen und englischen Soldaten in den beiden Kasernenanlagen nutzten das gastronomische Angebot. Man sollte nicht vergessen, dass die damals beengten Wohnverhältnisse eine verstärkte Nutzung der Gaststätten nach sich zog. All diese Bedingungen führten dazu, dass man über 70 Standorte der Gastronomie in Riehl nachweisen kann. Zum Vergleich: heute gibt es nur noch 14 Lokale. Natürlich haben die Gaststätten häufig die Namen und Besitzer*innen bzw. Pächter*innen gewechselt, so dass die Zahl der Gastwirt*innen in den vielen Jahren deutlich höher ist.

Durch den Abzug des Militärs und die Niederlegung des Vergnügungsparks ließ die Nachfrage deutlich nach. Auch durch bessere Wohnverhältnisse und andere Freizeitmöglichkeiten, z.B. Fernsehen, kann man bis heute ein Nachlassen des Interesses an Gaststätten erleben.

Viele Riehler*innen erinnern sich noch selbst oder durch Erzählungen an frühere Gaststätten. In dieser kleinen Ausstellung möchte ich einige Erinnerungen wach rufen.

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