Neues aus der Nachbarschaft

Was man hat, hat man!

Inzwischen kennen Sie meine Nachbarn ja schon ein wenig. Sie (86) und ihr Mann (80) genießen eigentlich in vollen Zügen ihren Ruhestand. Moment, bei ihm müsste es eigentlich (Un-)Ruhestand heißen.

Als die Beiden noch etwas jünger waren, haben sie sich die Welt angesehen. Heute, im fortgeschrittenen Alter, unternehmen sie eher Reisen innerhalb Deutschlands. Sehr zum Leidwesen seiner Frau schmiedet er nach wie vor pausenlos Pläne, was in der kommenden Woche unternommen werden soll oder wann man wohin reisen könnte. Sie wäre allerdings froh, wenn nicht jeden Monat die Koffer ein- und ausgepackt werden müssten.

Als meine Nachbarn von einer Reise zurückgekehrt und die Koffer ausgepackt waren, erklärte sie ihrem Mann, dass er, während sie sich um die Wäsche kümmere, doch einige Teile einzukaufen könne. Sie bat ihn, außer den benötigten Kleinigkeiten ein Paket PERSIL mitzubringen. Froh, sich nützlich machen zu können, fuhr er also in den Supermarkt.

Nach einiger Zeit klingelte es an der Haustür. Sie öffnete und hörte ihren Mann rufen: „Komm‘ doch bitte zum Auto und hilf‘ mir.“ Verwundert ging sie hinaus und glaubte ihren Augen nicht zu trauen. Kofferraum und Rückbank waren gefüllt mit Waschmittelkartons. Entsetzt ergriff meine Nachbarin den bereits neben dem Auto stehenden Korb mit Lebensmitteln und eilte trotz der Rufe ihres Mannes ins Haus. Es blieb ihm also nichts anderes übrig, als sämtliche Kartons alleine auszuladen und in den Keller zu bringen.

Diese Aktion war wohl auch anderen Nachbarn aufgefallen. Und so erkundigte sich sehr zum Ärger meiner Nachbarin wenige Tage später eine Bewohnerin des Nachbarhauses voller Mitgefühl: „Ihr Mann hat ja jede Menge Waschmittel gekauft. Waschen Sie jetzt für fremde Leute?“

on Christa Commer

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