Geschichten, Anekdoten und Bilder aus der Glashütte …

Der Verein für Geschichte und Heimatkunde, Quadrath-Ichendorf 1985 e. V. hat sich in seiner Jahresausgabe für seine Mitglieder intensiv mit der Industrie in diesem Bergheimer Stadtteil beschäftigt. Von 1989/99, also über achtzig Jahre, wurde in Quadrath-Ichendorf Glas hergestellt. Und nicht irgendein alltägliches Gebrauchsglas, sondern Glas von herausragender Qualität und Güte. So wurde Ichendorfer Glas nicht nur nach Amerika oder in arabische Scheichtümer exportiert, auch die britische Königin Elisabeth II. bestellte einen Satz Gläser für den Buckingham Palast, der bis heute bei offiziellen Staatsempfängen der Queen eingedeckt wird.

„Dies ist sicherlich die bekannteste Geschichte“, so der Vorsitzende des Vereins Markus Potes, „aber die Autorin Astrid Machuj hat noch viele andere Dinge zusammengetragen. neben Fakten und Daten werden auch interessante Geschichten rund um den Alltag der Glasbläser wiedergegeben. So erfährt man z. B., dass in der direkten Nachkriegszeit in der Glashütte Einmachgläser hergestellt wurden. Ein Teil des Lohns wurde jetzt in Weckgläser ausgezahlt. Belegt ist, dass ein Formenmacher 10 Gläser erhielt. Hinzu kam eine Prämie – so dass es nicht selten vorkam, dass die Arbeiter 30 oder mehr Gläser zusammen mit der Lohntüte ausgehändigt bekamen. Zunächst war man hierüber nicht erfreut. Als die Gläser jedoch bei Bauern, auch aus dem weiteren Umland, immer begehrter wurden und sie sogar aus der Eifel kamen, um sie gegen Speck, Eier und Schinken zu tauschen, war man hierüber sehr glücklich.

Ende der 70er Jahre war die alte Fabrik an der Jenseits-Straße überaltert und entsprach nicht mehr den technischen Ansprüchen. Ein neues Grundstück von 11.750qm im Frenser Feld (ehemaliges Gelände des Fahrzeuginstandsetzungswerks der Bundeswehr, auch Panzerwerk genannt) wurde im Rahmen einer Städtebausanierungsmaßnahme erworben. Dort wurde ein neues Werk errichtet. Ohne Betriebsunterbrechung zog man in das neue Gebäude ein und das alte Fabrikgebäude wurde 1981 abgerissen. Heute steht dort die Glasbläsersiedlung. 1982 besuchte Altbundespräsident Walter Scheel die Glashütte und empfand die dort herrschende Hitze als sehr belastend. Er reagierte und schenkte den Glasbläsern drei Fässchen Kölsch. Im Jahr 1986 wurde die Produktion eingestellt.

Abgerundet wird das Ganze durch bisher zum Teil unveröffentlichte Fotos der alten Glashütte, die zum großen Teil vom Verein Ichendorfer Glasmuseum zur Verfügung gestellt wurden. Das Heft, das 32 Seiten umfasst ist für 7.00 € in der Römer-Apotheke in Quadrath-Ichendorf zu erwerben.

HTML Snippets Powered By : XYZScripts.com
%d Bloggern gefällt das: