Ehrenamtliche Seniorenbegleiter*innen gesucht

„Heute Du – morgen ich – Wir wollen einander helfen“

Marion Eckart (hinten links) mit fünf engagierten Seniorenbegleitern aus der ersten Schulungsstaffel (v.l.: Marlies Stark, Frank Grimm, Angelika Lanfermann, Bozenna Siegmüller und Gaby Lerch).

„Bürgerinnen und Bürger, die Freude daran haben, älteren Menschen in Bergheim regelmäßig etwas von ihrer freien Zeit zu widmen, werden dringend gebraucht und gesucht“, so Marion Eckart von der Fachstelle Älterwerden. Die Kreisstadt Bergheim startet eine zweite Qualifizierungsrunde für Ehrenamtler, die sich dieser wichtigen Aufgabe widmen wollen. Die Schulung in Kooperation mit dem Katholischen Bildungsforum Rhein-Erft findet im Anton-Heinen-Haus, Kirchstraße 1b, 50126 Bergheim an vier Terminen statt. Am Samstag, 3. September 2022 von 9 bis 16 Uhr bietet Romy Kohler einen Einstieg in die Tätigkeit als Seniorenbegleiter*in, Anni Wilbertz von der Alzheimergesellschaft Bergheim berichtet über Erfahrungen aus der Praxis. Am Sonntag, 4. September, 9 bis 16 Uhr, gibt die Krankenschwester Annette Ullrich praktische Tipps im Umgang mit gehbehinderten Menschen. Seniorenberaterin Anne Schürner vom DRK informiert über Unterstützungsmöglichkeiten, Pflegeberatung, präventive Hausbesuche und Ämtergänge. Der Vortrag von Dr. Elke Wiehoff, Fachärztin für innere Medizin, über altersspezifische Erscheinungsbilder läuft hybrid vor Ort im Anton-Heinen-Haus und gleichzeitig online am Dienstag, 6. September, von 17 bis 19:15 Uhr. Am Samstag, 10. September, von 9 bis 14 Uhr spricht Romy Kohler vor der feierlichen Übergabe der Teilnahme-Bescheinigung noch einmal über Herausforderungen und Grenzen.

Begleiten – Unterstützen – Da sein
Bozena Siegmüller, 69, ist schon mit viel Herzblut dabei. „Als ich den Aufruf gesehen habe, war für mich klar, da mache ich mit“, sagt sie. Was die vielfältig engagierte Seniorin, die schon Erfahrung als vom Gericht bestellte Betreuerin hat, für die Aufgabe prädestiniert, sind vor allem „Zeit und Geduld“ – etwas, das die eigenen Kinder im Umgang mit ihren alten Eltern oft nicht haben. Auch seien die Familien heute kleiner und lebten zum Teil weiter voneinander entfernt. Der Vorstellung, allein zu sein und keine Hilfe zu haben, nimmt sie sehr mit. „Ich habe das bei meiner kranken Mutter erlebt, im Krankenhaus hatte niemand wirklich Zeit, sich um sie zu kümmern.“ Sie sei nicht in der Lage gewesen, selbständig ihr Abendessen zu essen und hätte hungrig zu Bett gehen müssen.
Es ist keine pflegerische Tätigkeit oder Hilfe im Haushalt, die freiwillige Seniorenbegleiter*innen leisten, sondern einfache, alltägliche Nachbarschaftshilfe. Mit zunehmendem Alter und eingeschränkter Mobilität bedarf es immer öfter Unterstützung, auch wenn ein Pflegegrad noch gar nicht besteht. Mit einer Begleitperson spazieren oder einkaufen gehen, bei bürokratischen oder anderen Erledigungen jemanden zur Seite zu haben, trägt wesentlich dazu bei, auch im Alter noch selbstbestimmt im eigenen Zuhause leben zu können – das, was die meisten Menschen wollen. Die ergänzende freiwillige Hilfe soll auch dazu beitragen, die Hemmschwellen zu professionellen Beratungsangeboten abzubauen.
„Die alte Dame, die ich besuche, ist immer so froh, wenn ich komme“, schildert Gaby Lerch, 67. Als ehemalige kaufmännische Angestellte in der Verwaltung eines Altenheims weiß sie, wie wichtig es ist „immer freundlich und geduldig alles zu erklären.“  Frank Grimm, 61, sieht sich selbst als „Exot“ in der Gruppe der ersten neun Qualifizierten in Bergheim. „Ich bin der Mann fürs Grobe, zuständig fürs Schrauben, Bohren, Nageln, mit Hand und Kopf dabei.“ Auf der Suche nach sozialem Engagement hatte der frühpensionierte Bundesbeamte bei der Fachstelle Älterwerden angeklopft und gleich zwei Ehrenämter an Land gezogen: Als handwerklicher Helfer im Museum der Stadt Bergheim hat er die neue Ausstellung mit aufgebaut, als Seniorenbegleiter ist es eine seiner Lieblingsbeschäftigungen, „sich mit den Behörden herumzuärgern und 80jährigen das Internet zu erklären“. Durch die Schulung habe er sich mit dem Thema Älterwerden erstmals konkreter auseinandergesetzt.
Für Marlies Stark aus Quadrath-Ichendorf ist es vor allem das eigene Alter, das sie sich ihren Schützlingen näher fühlen lässt: Die 68jährige Rentnerin hat absolutes Verständnis dafür, wenn das neue Handy für Verzweiflung sorgt oder wenn ihr jemand „einfach mal nur sein Leid klagen will“. „Wir haben Spaß zusammen – ich bin da und freue mich, wenn ich gebraucht werde“. Ausgebremst durch Corona, hatte die Künstlerin und ausgebildete Gedächtnistrainerin Angelika Lanfermann aus Bedburg „gerade nicht viel zu tun“. Die 68jährige ehemalige Bauingenieurin ist stolz darauf, wenn sie durch ihre Unterstützung beim Ausfüllen von Anträgen und Formularen helfen kann und zum Beispiel „das Wohngeld fließt“.
Der kontinuierliche Austausch untereinander und weiterführende Schulungsangebote sind es, die die Teilnehmer der Seniorenbegleiter-Schulung darüber hinaus sehr schätzen – ob das Erste Hilfe ist oder ein Rat im Umgang mit schwierigen Situationen. Der schönste Lohn – da sind sich alle einig – ist das Strahlen im Gesicht der betreuten Person. „Wir haben viel zu geben, aber wir bekommen noch mehr zurück“, bringt Gaby Lerch es auf den Punkt.
Weitere Informationen und Ansprechpartnerin:
Marion Eckart, Fachstelle Älterwerden der Kreisstadt Bergheim Telefon: 02271/89709 aelterwerden@bergheim.de
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