Neues aus der Nachbarschaft …

Fragen ist immer gut

Nachdem mein Nachbar die vor kurzem erworbene elektrische Nähmaschine genauestens untersucht und das vorhandene Zubehör gesichtet hatte, vertiefte er sich in die Bedienungsanleitung. Dieser Lesestoff vermochte ihn allerdings nicht lange zu fesseln.

Kurz entschlossen rief er bei mir an. „Kennst Du Dich mit elektrischen Nähmaschinen aus?“, erkundigte er sich. „Wenn ja, kannst Du dann bitte mal kommen, um mir das mit dem Einfädeln zu erklären?“ Ich eilte hinunter und wurde von ihm bereits an der Tür erwartet. „Die haben in der Bedienungsanleitung wohl Verschiedenes ausgelassen“, beschwerte sich mein Nachbar sogleich. Außerdem sind viel zu wenig Ersatzspulen vorhanden und Nähgarn brauche ich auch“, fuhr er fort. Hinter ihm erschien seine Frau und bat mich herein.

Im Wohnzimmer stand die Nähmaschine. Um sie herum waren Ersatzspulen, die Bedienungsanleitung und ein Stoffrest verteilt. Ich nahm Platz und erklärte meinem Nachbarn, wie der Oberfaden ordnungsgemäß eingefädelt wird. „Prima“, freute er sich. „Jetzt muss ich den Stoff hier einklemmen und …“. „Halt“, erwiderte ich, „Du musst erst noch den Unterfaden hochholen, sonst wird das nichts.“ Aufmerksam verfolgte er die weiteren Arbeitsschritte. Anschließend rückte ich mit meinem Stuhl zur Seite und meinte: „Jetzt kannst Du mit der Näherei anfangen!“ Mein Nachbar schaute mich an und erklärte: „Heute nähe ich nicht mehr. Zunächst muss ich noch Nähgarn und Ersatzspulen besorgen.“

Ich war verblüfft, verkniff mir jedoch jeglichen Kommentar und ging zu seiner Frau in die Küche. „Und, was macht er?“, erkundigte sich diese sogleich. „Mir scheint, es steht jetzt erst einmal ein weiterer Einkaufsbummel an“, war meine Antwort. Kaum hatte ich dies ausgesprochen, erschien mein Nachbar in der Küche und machte seine Gattin darauf aufmerksam, dass für den nächsten Tag eine Einkaufstour auf dem Plan stehe.

Als ich am Abend des nächsten Tages die Haustür aufschloss, empfing mich meine Nachbarin im Flur. „So langsam frage ich mich, wo das noch enden soll“, raunte sie mir zu. „Helmut ist mit mir durch Düren gerannt auf der Suche nach einem Fachgeschäft für Nähzubehör. Zunächst fanden wir kein derartiges Geschäft. Daher sind wir in die Kurzwarenabteilung eines Kaufhauses gegangen. Dort hat er eine Verkäuferin angewiesen, jeweils eine Rolle Nähgarn der gängigsten Farben einzupacken. Auf dem Rückweg zum Auto entdeckte er doch noch ein Fachgeschäft und hat auch in diesem außer den Ersatzspulen weiteres Nähgarn gekauft. Kurz gesagt: Wir sind jetzt besser ausgestattet als eine Änderungsschneiderei!“

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