Neues aus der Nachbarschaft: Was man sich im Alter wünscht

Meine Nachbarn, die über die Weihnachtstage verreist waren, berichteten mir nach ihrer Rückkehr, dass sie vor ihrer Urlaubsfahrt noch zu einer Beerdigung mussten. Verstorben war ein langjähriger guter Freund, der aufgrund seiner Demenzerkrankung bereits seit etwa eineinhalb Jahren in einem Pflegeheim untergebracht war.

Vor ungefähr drei Monaten wollten mein Nachbar (82) und seine Frau (88) den Freund noch einmal im Pflegeheim besuchen. „Stell‘ Dir nur vor“, meinte mein Nachbar entsetzt, „es war unfassbar. Auf dem Weg zum Zimmer unseres Freundes begegnete uns im Flur ein Heimbewohner. Dieser hatte außer einem Oberhemd nichts an. Offensichtlich war er vorher auf der Toilette und hatte sich total mit Kot beschmiert. Kümmert sich denn niemand um solche Leute?“

Auch meine Nachbarin konnte sich kaum beruhigen. „Es kann doch nicht angehen, dass man viel Geld für eine Heimunterbringung bezahlen muss und dann wird man total vernachlässigt. Das darf es doch nicht geben.“

Die Beiden waren offensichtlich sehr geschockt. Bevor ich jedoch etwas dazu äußern konnte, schaute mich mein Nachbar an, fasste sich an den Kopf und meinte:

„Oben klar und unten dicht,
mehr wünsch‘ ich mir für’s Alter nicht!“

von Christa Commer

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