Demenzgeschichten: Eine Reise zum Gardasee

Sie begegneten sich im Speisewagen. Er fand sie gleich sympathisch und war von ihrer Erscheinung begeistert. Alles gefiel ihm an ihr und er war beglückt, dass er noch einen Platz an ihrem Mittagstisch fand.

Sie saßen sich gegenüber und er konnte ihr mit seinen blauen Augen tief in ihre grauen schauen. Sie unterhielten sich gut und bald erreichte der Zug den Gardasee. Jeder suchte sein Hotel auf.

Am anderen Morgen- voller Staunen- nahm sie ihn vor ihrem Hotel stehend wahr. Er wollte mit ihr eine Bergwanderung machen und so vertraute sie sich seiner Führung an. Was gab es in der Natur alles zu bestaunen. Besonders die schönen Blumen an Sträuchern und Bäumen. Sie waren beide glücklich und zufrieden.

Sie besuchten auch eine Musikveranstaltung und als sie danach ins Hotel und auf ihr Zimmer ging, sah sie auf dem Tisch eine Vase, in der eine wunderschöne, rote Rose steckte. Aber das war noch nicht alles. Ein Gedicht von ihm war beigefügt, das ihr sehr gefiel.

Nach einer Woche hieß es Abschied nehmen von dem schönen Gardasee und für zwei Menschen galt dasselbe.

Jedoch konnten sie sich während der Bahnfahrt noch lange angeregt unterhalten.

Dann kam das Ziel der Reise immer näher. Der Abschied fiel schwer. Ein fester Händedruck, ein tiefer Blick in die Augen und hoffen auf ein Wiedersehen.

Am anderen Morgen läutete das Telefon. Wer war es? Er natürlich!

Und am nächsten Morgen stand er mit einer roten Rose vor ihrer Tür. Das war der Anfang vieler schöner Jahre der Gemeinsamkeit.

Lotte Nohr, 99 Jahre, AWO-Seniorenzentrum Quadrath-Ichendorf

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