Menschen mit Demenz leiden weiter unter Corona-Lockdown

Lokale Allianz Bergheim plant Aktion zum Welt-Alzheimertag

Christa Wolf moderiert die Allianz-Treffen.

Während Bergheim sich langsam wieder locker macht, sind die Alten- und Pflegeheime des Kreises noch weit entfernt von einem gewohnten Alltag. Wegen des Infektionsschutzes gilt der Lockdown in den Einrichtungen noch mindestens bis Ende Oktober.

Zwar sind tägliche Besuche seit dem 1. Juli auch auf den Zimmern wieder erlaubt, allerdings nur unter strikter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln. Beliebte Beschäftigungsangebote wie gemeinsames Singen, Tanznachmittage oder Demenz-Cafés sind noch immer in weiter Ferne.

 

Renate Schander und Tobias Hochscherf vom DRK

„Viele unserer älteren Bewohner leiden sehr unter Einsamkeit und Langeweile und verstehen gar nicht, warum sie in ihren Freiheiten so sehr einschränkt sind“, berichtet Renate Schander, Einrichtungsleiterin des DRK Alten- und Pflegeheims Bergheim.

Im Maria-Hilf-Krankenhaus ruhen die Kurse zur familialen Pflege seit Monaten. Auch Anni Wilbertz, Vorsitzende der Bergheimer Alzheimer Gesellschaft, vermisst die bewährten Hilfs- und Entlastungsangebote, wie etwa die Demenz-Cafés und den Angehörigengesprächskreis, sehr.

Die Beratungen finden indes weiterhin telefonisch unter Tel.: 02271-5829326 oder per E-Mail alzheimer-bergheim@outlook.de statt. „Die Nachfrage steigt.“

„Wir müssen reden“

Auf Abstand, aber in der Sache vereint: Die Lokale Allianz für Menschen mit Demenz in Bergheim.

Die Lokale Allianz für Menschen mit Demenz Bergheim ist angetreten, die Situation von Betroffenen und Angehörigen zu verbessern – in Zeiten der Pandemie eine echte Herausforderung.

Das erste Netzwerktreffen seit über einem halben Jahr fand am Freitag unter dem Dach der Stadtbibliothek statt. Inzwischen lief der Austausch der Netzwerkpartner notgedrungen rein online über das Seniorenportal oder per Mail.

Mit einer gemeinsamen Aktion zum Weltalzheimertag am 21. September um 15 Uhr wollen sich die Netzwerkpartner nun zurückmelden und den Blick auf die Sorgen und Nöte Demenzkranker und ihrer Familien lenken. „Wir müssen reden“ ist das diesjährige bundesweite Motto, das auch für die geplante Veranstaltung in der Medio-Lounge passt.

„Wir reden immer nur über die Betroffenen, nie mit ihnen“, erklärt Christa Wolf, eine der Preisträgerinnen des Geschichten-Wettbewerbs der Lokalen Allianz Bergheim. Ursprünglich sollten die Gewinner bei einer öffentlichen Lesung während der Demenz-Woche im Rhein-Erft-Kreis geehrt werden. Da dieser Termin Ende März jedoch bereits dem Virus zum Opfer fiel, soll dieser jetzt unter Corona-Bedingungen im kleinen Kreis ohne Publikum nachgeholt werden. Zu Wort kommen sollen dabei auch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Bergheimer Pflegeeinrichtungen sowie Bewohner. Das Seniorenportal überträgt die Veranstaltung im Livestream.

Auch weitere Projekte der Lokalen Demenz-Allianz wurden wieder aufgenommen: So steht beispielsweise das Konzept für einen „Erinnerungskoffer“ für Menschen mit Migrationshintergrund, der demnächst zur Ausleihe in der Stadtbibliothek zur Verfügung stehen soll. Die Materialsammlung kann von pflegenden Angehörigen oder Einrichtungen für Beschäftigungsangebote und Gesprächsanstöße genutzt werden. In Planung sind auch Schulungen für Demenz-Lesepaten sowie eine Kooperation mit einer Tanzschule. „Zu Hause leben – zu Hause bleiben“ heißt eine Fachtagung zum Thema Wohnberatung, zu dem der Rhein-Erft-Kreis am 17. August von 08:30 Uhr bis 13 Uhr in den Rittersaal von Schloss Bedburg lädt. Eine Anmeldung ist erforderlich unter pflege@rhein-erft-kreis.de, oder Telefon 02271/ 83-15173. Auch der Termin des nächsten Benefiz-Hundespaziergangs steht schon fest: Am 2. Mai 2021 laden die Tierfreunde Rhein-Erft  für Menschen mit und ohne Demenz sowie ihre Vierbeiner wieder ein.

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