Zeitreisen in die Regionalgeschichte

Neues Online-Portal der Archive Rhein-Erft-Rur

Fotos: Andrea Floß

Stadtarchive haben den Ruf, mit verstaubten Aktenbergen und unleserlichen Dokumenten in dunklen Kellern nur ein sehr spezielles Publikum anzuziehen. Dabei lagern in den Magazinen der Kreise Rhein-Erft und Düren Rur wahre Schätze mit einzigartigen Zeugnissen zur Regionalgeschichte.

Anhand ausgewählter Bestände ermöglicht ein neues, gemeinsam erarbeitetes Online-Portal einen modernen Zugang zu den historischen Quellen und macht sie in zwei virtuellen Ausstellungen öffentlich zugänglich. Mit einer feierlichen Veranstaltung im Ratssaal der Kreisstadt Bergheim wurde das Portal am Donnertag, 5. März 2026 vorgestellt. An verschiedenen Medienstationen erhielten die Teilnehmenden anschließend Gelegenheit, die Inhalte selbst zu erkunden und auf Zeitreise zu gehen.

Lena Delbach (Mitte r.), Leiterin des Bergheimer Stadtarchivs, gehört mit zum Ausstellungsteam.

Die lebendige Vermittlung soll vor allem junge Menschen für die Heimatgeschichte begeistern, so Andrea Lehmann Pedyna, Dezernentin für Jugend, Bildung und Ordnung. Den Anfang machen zwei Themen: „Krieg und Frieden. Die Region Rhein-Erft-Rur von 1944 – 1946“ entstand anlässlich des 80. Jahrestages des Kriegsendes und lässt anhand von Fotografien, Dokumenten und Zeitzeugenberichten die letzten Monate des Zweiten Weltkriegs und die unmittelbare Nachkriegszeit in der Region zwischen Herbst 1944 und Sommer 1946 miterleben. Hunger, Elend und Tod, aber auch Hoffnung auf eine bessere Zukunft prägten diese Zeit. Die zweite Ausstellung „Shalom Chaverim. Jüdisches Leben in der Region Rhein-Erft-Rur“ zeigt das kulturelle Leben in den Gemeinden ebenso wie Verfolgung, Verlust und Erinnerung. Ergänzt wird das Online-Portal durch einen begleitenden Blog, in dem regelmäßig vertiefende Beiträge veröffentlicht werden. Das Portal soll kontinuierlich erweitert werden.

„Es lohnt sich auf jeden Fall, sich mit unserer Geschichte auseinanderzusetzen“, findet Mohammad Hossain Nejad, Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums. Für die Recherchen zu einer Facharbeit ist der 18-Jährige tief ins Pulheimer Stadtarchiv eingetaucht und hat Schulchroniken aus Sinthern und Sinnersdorf durchforstet. Schülerinnen und Schülerinnen des Frechener Gymnasiums erforschten das Alltagsleben junger Menschen zwischen Herbst 1944 und Sommer 1946 und lernten, dass ihre Altersgenossen viel zu früh erwachsen werden mussten – „keine Likes, kein Streaming, aber jede Menge Verantwortung“, so ihr Fazit.

www.archive-rer.de

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