Die BERGHEIMAT hält Hof

Eröffnung der neuen Sonderausstellung im Bergheimer Stadtmuseum

Der Altkreis Bergheim mit seinen Städten Elsdorf, Bedburg, Kerpen und Bergheim hat über mehr als 50 mächtige Burgen, Schlösser und herrschaftliche Anwesen zu bieten. Grund genug, dem historischen Thema eine Sonderausstellung zu widmen: Nach zwei Jahren lösen „Burgen, Schlösser, Rittersleut‘ im Altkreis Bergheim“ den Sport im Bergheimer Stadtmuseum BERGHEIMAT ab.

„Die Männer hatten Lust, und die Frauen freuten sich auf die schönen Kostüme“, erklärte Gästeführerin Astrid Machuj beim kleinen Festakt zur Eröffnung ganz pragmatisch die Themenwahl. Über zwei Jahre tüftelte das Rechercheteam in Kooperation mit den benachbarten Geschichtsvereinen an dem neuen Konzept, das Alt und Jung begeistern soll. Die BERGHEIMAT wird jährlich von fast 1.000 Kindergartenkindern und Schülern besucht, es sollen aber verstärkt auch wieder Führungen für Senioren angeboten werden. Durch die Ausweitung auf den Altkreis Bergheim rechnen die Veranstalter auch mit mehr Besuch aus den Nachbarstädten.

Sich fühlen wie der Graf von Jülich

Nur gucken ist nicht, mitmachen ist angesagt: Am Duft von Farina in den Barock hineinschnuppern, am Modell eines mittelalterlichen Bettes sich je nach der Daunen-Bettwäsche oder der Strohmatratze mal reich, mal arm fühlen, oder an den Hörstationen den alten Sagen lauschen, die man sich einst in den Gesindestuben erzählte – vom „Zöbbelsdier“, der „Weißen Frau von Kenten“, der „Juffer von Paffendorf“ oder vom „Beil mit dem Kamisol“. Aussagekräftige Grafiken veranschaulichen, wie aus vielen Burgen im Laufe der Jahrhunderte durch Renovierungen und Umbauten prächtige Schlösser wurden. Neben dem umfangreichen Begleitbuch zur Ausstellung gibt es dank des neuen Förderproramms des Landes NRW, dem Heimatscheck, erstmals auch einen kleinen Film, in dem die Magd Brunhilde die einzelnen Bauwerke präsentiert.

Die BERGHEIMAT in die alten Zeiten des Mittelalters und Barocks zu versetzen war vor allem viel Handarbeit für das ehrenamtliche Team des Museumsvereins. Frauen, die vorher noch nie genäht hatten, fertigten stundenlang Hauben und Kopfbedeckungen. Modelle von Burgen, ein kleiner Rittersaal, ein Turnierplatz und ein Holzpferd mussten gezimmert werden. Bis zuletzt trudelten die Exponate als Leihgaben ein – Überbleibsel von der Burg Bergheim, die fast 30 Jahre in einer Garage vor sich hin schlummerten, Fundstücke aus dem Burggraben in Kerpen, die Manöverkiste von Jan von Werth aus dem Besitz der Familie von Abercron, Spiegel, Schmuck, Seidenstrümpfe und eine Kleiderbürste aus dem Nachlass von Marie Vetsera, Parament und Ziborium aus der Schlosskapelle Türnich sowie Hunderte von Elastolinfiguren, mit denen eine ganze Schlacht nachgestellt wurde.

Eine Rüstung, eine Armbrust und zwei Steinkugeln, die einst in der alten Hemmersbacher Burg steckten, lassen das Mittelalter lebendig werden. Auf dem Turnierfeld kann man sich wie einst die Knappen auf einem Holzpferd im Ritterkampf oder im Bogenschießen üben, einmal auf dem Thron Platz nehmen und sich wie der Graf und die Gräfin von Jülich fühlen oder in der Verkleidungsecke schnell mal zum Edelmann oder Burgfräulein werden. Gab es bei den Rittern Klopapier? Wo kommen Redewendungen wie „unter die Haube bringen“ oder „ins Bett steigen“ her? – Nachher ist man garantiert schlauer. Ob Bürgermeister Volker Mießeler aber tatsächlich jetzt die Zeichen deuten kann, die Edeldame Astrid Machuj ihm demnächst im Rathaus mit ihrem Fächer signalisiert, bleibt abzuwarten.

 

 

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