Wie entstand unser Viertel „Hagelkreuz“?

Foto Baustelle
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Kempen, 1960. Bei Stadtdirektor Klaus Hülshoffs Amtsantritt liegt in der Thomasstadt vieles im Argen. Zwar: Der Pi-Park-Slum zwischen Kleinbahn- und Aldekerker (heute: Kerkener) Straße ist zum größten Teil verschwunden. Aber immer noch suchen 800 Familien eine Wohnung, 400 davon leben in einsturzgefährdeten Gebäuden, in Notunterkünften und Baracken. Dazu passt, dass am 22. Dezember der alte, bombengeschädigte Rathausgiebel am Buttermarkt in sich zusammenbricht.

Belgische Angehörige der Raketen-Einheit ziehen nach Kempen

Die Wende bringt ein Ratsbeschluss im Oktober 1962 über die Ansiedlung von 320 belgischen Familien, Angehörige der Raketen-Einheit, die bald nach Grefrath verlegt werden soll. Grefrath hat kein Bauland, zudem möchten die belgischen Offiziere und Unteroffiziere in einer größeren Stadt wohnen. Wegen seines militärischen Ursprungs trägt das neue Wohnviertel bald den Spitznamen „Nato“. Aber es ist nur die Vorstufe zu einem Großprojekt mit ganz anderen Dimensionen.

Ratsbeschluss im Februar 1963 bringt das Hagelkreuz auf den Weg

Denn der neue Stadtdirektor bekommt Kempens Wohnungsnot hautnah mit. Wenn er in der Villa Horten aus seinem Dienstzimmer auf „kleine Jungs“ muss, kommt er die Treppe ‚runter an der Riesenschlange der Wohnungssuchenden vorbei. Derart beeindruckt, beschließt er, ihnen möglichst rasch zu helfen und  setzt alle Hebel in Bewegung. Und hat Erfolg: Im Februar 1963 beschließt Kempens Stadtrat einstimmig den Bau der Mammutsiedlung „Am Hagelkreuz“ im Nordwesten der Thomasstadt, zwischen der Wachtendonker und der Aldekerker (heute: Kerkener Straße). Um Grundstücke zu beschaffen, verhandelt Klaus Hülshoff bei einer Flasche Schnaps mit Landwirt Jakob Trienekens – und bekommt einen günstigen Preis, als er Trienekens verspricht, ihn nach seinem Tod drei Tage lang in der Städtischen Leichenhalle gratis, offen und eisgekühlt aufzubahren. Das geschah dann auch.  

Größtes Bauprojekt im Kreis

Über 330 000 Quadratmeter nimmt das „Sonderbaugebiet Kempen-Hagelkreuz“ schon in der ersten Expansions-Phase ein. Der Architekt Hans Jochen Hebestreit hat die Pläne für die ersten 550 Wohneinheiten entworfen und dabei viel Wert gelegt auf eine möglichst ruhige, abgeschiedene Stichstraßen-Lage der meisten Häuser. Großzügige Grünbereiche sollen die Wohnqualität der Trabanten-Stadt erhöhen. Der Plan, an der Ecke Max-Planck-/Otto-Hahn-Straße ein 17-geschossiges Hochhaus zu errichten, wird Gottlob im Dezember 1973 zu den Akten gelegt. Dann beschließt die Stadt Kempen, die Baukapazität von 1000 auf 2400 Wohnungen zu erhöhen; das ist das größte Bauprojekt im ganzen Kreis, und überall wird der Mut dazu bewundert. Nur noch sieben Jahre, und Kempens Wohnungsbestand wird um ein Drittel zugenommen haben – auch wenn der Konkurs des Generalunternehmers Kun zwischendurch Probleme bereitet.

Online-Redaktion sucht Fotos aus der Gründerzeit des Viertels

Wer hat noch Fotos aus der Bauzeit des Viertels und stellt sie der Online-Redaktion für eine Veröffentlichung zur Verfügung? Die Fotos bitte mit Namen und Bildbeschreibung kennzeichnen. Wir freuen uns auf Zuschriften per Mail: info@hagelkreuz-kempen.de. Die Fotos können aber auch direkt im Quartiersbüro abgegeben werden. Vielen Dank. pw

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