Digitaler Marktplatz für ambulante Pflege

Wo Teilhabe gelingt, wächst Demokratie –

Wo sie verweigert wird, verliert die Gesellschaft.

Kommunalverwaltungen sehen selten einen sozialen Planungsbedarf.

Aktuell gepflegte kommunale Homepages zur Unterstützung der Senioren sind vielfältig. Sie geben mehr oder weniger einen Überblick über die in den Sozialräumen ansässigen sozialrelevanten Institutionen und Kooperationen. Die Begründung der Zurückhaltung ist schnell gefunden. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund warnt vor einer Überlastung der Kommunen durch stark steigende Ausgaben unter anderem bei der Hilfe zur Pflege. Die Überalterung und Verarmung nehmen zu, die Steuereinnahmen stagnieren bestenfalls. Behörden, Parteien und Wohlfahrtsbehörden haben sich eingerichtet.

Wer aus dem Arbeitsleben ausscheidet, verliert oft Netzwerke, soziale Kontakte, vereinsamt. Tritt ein Notfall, wird er aus Scham den Nachbarn und Bekannten verheimlicht. Hilfe wird gesucht, wenn nichts mehr geht. Die Pflegekasse hilft, wenn ein Antrag gestellt wird. Die Angebote der Kommune werden oft nicht gesehen oder aus Schwellenangst nicht wahrgenommen. Wir verweigern uns, nicht die Gesellschaft verweigert sich.

Wer sich nicht einbringt, verliert!

Wir brauchen Effizienz. Von den derzeit 5,8 Mio. anerkannt Pflegebedürftigen kommen knapp 900.000 in einem Heim unter, 4,9 Mio. müssen in der Häuslichkeit gepflegt werden, 3,3 Mio. ohne fachliche Hilfe. Warum wird weiterhin die Überforderung der An- und Zugehörigen im „freie“ Markt der Pflegeanbieter übersehen, gleichzeitig wird über fehlende Finanzierung gesprochen. Träger ambulanter Pflege geben auf. Die eigentlichen Gründe bleiben oft im Dunkeln. Die Presse vermeldet, am 30.12.25 haben zum 31.3.26 der Diakonischen Einrichtung 9 der  15 Mitarbeiter kündigen. Wer wird die 399 Pflegebedürftigen versorgen?  Für Landrat Markus Ramers ist die Nachricht ein Alarmsignal.

Müssen drei bis zehn ambulante Dienste im Quartier/Dorf gleiche Dienste anbieten und große Zeiteinheiten auf der Straße im Kfz verbringen? Können wir wirklich abwarten, bis durch Insolvenzen Konzerne den Markt übernehmen und die Einsparungsmöglichkeiten nicht den Versicherten zugutekommen.

Mitglieder in Sozialausschüssen sehen die STILLE Not der Pflegende Angehörige im eigenen Umfeld, doch oft keine Möglichkeit der Veränderung. Ehrenamtliche Seniorenbeiräte verlassen sich auf die Fachlichkeit der Mitglieder in der Kommunalen Konferenz Alter und Pflege. Die vielfältigen Aufgaben und Zusammensetzung regelt das Alten- und Pflegesetz (APG) nebst DurchführungsVO, siehe § 8 APG NRW. Behindertenräte genießen durch das SGB IX i.V. m § 27b Gemeindeordnung NRW einen Sonderstatus und können so auch die Problematik der pflegenden Angehörigen auf kommunaler und Landesebene einbringen. Nicht zu vergessen ist der eigenständige Ausschuss für Chancengerechtigkeit und Integration mit seinen Mitgliedern. Formal können sich Gremienvertreter mit der Sorge der Senioren befassen. Warum sollten sie, es ist keine Pflichtaufgabe, es fehlt an Geld und an dem direkten Handlungsdruck.

AfD erkundigt (BtDr 21/3527) sich nach Pflegeleistungen für Ukrainer

Es ist muss Pflichtaufgabe der Kommunen werden, die Betreuung von Menschen mit Behinderung und von Senioren wieder als öffentliche Daseinsvorsorge zu begreifen. Notwendige Einsparungen von 20% bis 30% ergeben sich, wenn rechtzeitig privatwirtschaftlich betriebene Pflegeeinrichtungen in gemeinnützige oder genossenschaftliche Verantwortung genommen werden. Das derzeitige Konkurrenzverhalten ist nicht dem Markt mit freien Preisen, sondern dem Kapitalmarkt geschuldet. Es bedarf neben einer Pflegereform eine aktive Seniorenpolitik in den Kommunen. Bürger müssen sich aktiv einbringen; Forderungen allein bewirken keine Verhaltensänderung. Die Hoffnung, der Markt wird es im Sinne der sozialen Marktwirtschaft richten, ist nicht aufgegangen.  Das Schild „sozial“ hat sich in das Gegenteil gewandt. Haben wir den Mut die Wahrheit anzuerkennen.

Pflege neu denken

Wie lässt sich pflegerische Versorgung neu denken – und trotz des Fachkräftemangels dauerhaft sicherstellen?

Es bedarf verlässlicher lokaler Netzwerke in denen Nachbarn und Angehörige die pflegerische Grundversorgung übernehmen

 Angestellt, über Minijobs oder Zuverdienste, unterstützen sie die Pflegekräfte bei den Alltagsaufgaben. So entstehe eine arbeitsteilige, wohnortnahe Versorgung, die soziale Nähe mit professionellen Standards verbindet.

Eine Anfrage für alles

Wer nach Hilfe bei der Pflege sucht, wird bei der Kommune formal fündig. Die Anbieterlisten mit Preisen sagen wenig über die Qualität und Zufriedenheit der Kunden aus, noch weniger ob Verträge angeboten und abgeschlossen werden. Es ist nicht nur schwierig einen Heimplatz zu finden auch einen der ambulanten Pflegedienste. 2/3 der pflegenden Angehörigen finden keine fachliche Unterstützung.

Eine einzige Anfrage– über ein Onlineformular stellen.

Die Zeiten, in denen sich Suchende mühsam durchtelefonieren müssen und möglicherweise eine Absage nach der anderen bekommen, müssen vorbei sein. Die digitale Plattform kann und soll niemals die persönliche Beratung von Hilfesuchenden ersetzen. Sie ermöglicht den Angehörigen eine neutrale gute erste Kontaktaufnahme.

Nicht auf die große Pflegereform auf Kosten der Versicherten warten. Die kommunale Politik ist gefragt und kann Zeichen setzen. Beispiele können gegeben werden.

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Erschienen sind:

  1. Jan. Digitalisierung im Haushalt, nicht so
  2. Jan. Digital vor ambulant vor stationär!
  3. Jan. NOTSTAND in der HÄUSLICHKEIT
  4. Dez. Einsam = Einsamkeit !?

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