Pflegende Angehörige und die Zukunft der Pflege
Die Situation pflegender Angehöriger wird geschönt.
- Zentrale Säule: Über 10 Millionen pflegende An- und Zugehörige tragen die Pflege der über 5 Mio. in Deutschland, überwiegend ohne fachliche Hilfe. Die Zahlen in den Veröffentlichungen sind mindestens drei Jahre alt und verdecken die ständig wachsende Not der pflegenden Angehörigen. So heißt es aktuell (März 2026): 4,89 Millionen Pflegebedürftige beziehungsweise 86 % wurden 2023 zu Hause versorgt. 14 % oder 0,80 Millionen Pflegebedürftige wurde in Pflegeheimen. Viele der pflegenden Angehörigen sind weiblich und oft selbst über 70 Jahre alt. Verschwiegen wird, dass 2024 die sozialen 94 Pflegekassen 66,6 Mrd. € eingenommen haben und davon 48% allein für die 800.000 Bewohner in den anerkannten Pflegeeinrichtungen flossen, weitere 12% an die ambulanten Dienste. Neben der geringen Zahlungen an die heute über 5 Millionen Pflegebedürftigen in der Häuslichkeit, wird die aufopfernde Tätigkeit der pflegenden An- und Zugehörigen medial wenig nicht wahrgenommen. Wer kennt schon die Auswirkungen?
- Hohe Belastung:
- 50 % leiden unter psychischen Störungen.
- 75 % unter körperlichen Beschwerden.
- Entlastungsangebote: Werden aus vielerleit Gründen kaum genutzt: sei es Unkenntnis, fehlende Passgenauigkeit, mangelnde Netzwerke, fehlende Bewilligung durch Pflegekassen.
Modellprojekt „Hilfe in Sicht“ (HiS) im Kinzigtal
Das Kinzigtal im Schwarzwald ist bekannt für die integrierte Pflege- und Gesundheitsversorgung. Viele Vereine und Organisationen arbeiten schon in einem Netzwerk eng zusammen. Sie werden nun als Region durch ein Forschungsprojekt „Hilfe in Sicht“ (HiS) unterstützt.
- Ziel: Aufbau eines komplexen Sorgearrangements durch Vernetzung von Nachbarn, Ehrenamtlichen, professionell Pflegenden und Leistungserbringern.
- Einbindung: Über Hausärzte und Gesundheitslotsen der Gesundes Kinzigtal GmbH.
- Frage: Kann dieses Modell auf andere Regionen übertragen werden – besonders in städtische Gebiete?
Digitale Lösungen und KI: Chance oder Lückenbüßer?
- Potenzial: Digitale Tools könnten Planung, Organisation und Koordination erleichtern, administrative Aufgaben reduzieren.
- Grenzen: Technik kann nur unterstützen, wenn soziale Akzeptanz und emotionale Unterstützung vorhanden sind.
- Kritik: Fehlende soziale Verantwortung in der Gesellschaft – besonders in Städten ist informelle Pflege erschwert .
Gesellschaftliche Herausforderungen
- Solidarität: Kann nicht verordnet werden. Ein funktionierender Sozialstaat braucht gemeinsame Finanzierung und Unterstützung. Fehlt es in unserer Gesellschaft, besonders im städtischen Bereich, bereits an der sozialen Verantwortung gegenüber dem Nachbarn, den Freunden?
- Wunsch der Bevölkerung: Breite Mehrheit will einen leistungsfähigen Sozialstaat. Die Sicht des einzelnen Bürgers ist damit nicht abgedeckt.
- Politische Debatte: Schieflage zwischen Wunsch und Umsetzung.
Fazit:
Technik und digitale Lösungen können helfen, aber sie ersetzen keine soziale Verantwortung. Der Schlüssel liegt unseres Erachtens in der Kombination aus praktischer Entlastung, Netzwerkaufbau und gesellschaftlicher Solidarität.
Fragen:
Wie siehst Du, sehen Sie die Rolle der Digitalisierung in der Pflege? Sollte der Fokus stärker auf
- technischer Unterstützung
- oder auf dem Aufbau sozialer Netzwerke
- und auf dem Aufbau sozialer Netzwerke
- Kann das Modell auf andere Regionen übertragen werden – besonders in städtische Gebiete?
Ausblick
Im nächsten Beitrag stellen wir einen erfolgreichen Ansatz vor.
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Unsere Bitte, stellen Sie sich den Fragen. Antworten Sie im Kommentarbereich.
Wir danken im Voraus und wünschen allen Lesern ein schönes Osterfest 2026

Hallo, ich gehöre zu den Pflegen -Eltern. Mein Sohn ist Autist und 53 Jahre. Lebt in einer Wohneinrichtung ( besondere Wohnform ) und wird von mir Zeit seines Lebens versorgt und betreut. Ich habe eine SelbsthilfeGruppe aufgebaut und versuche mit anderen Eltern, die Situation in diesen Pflegeeinrichtungen zu verändern. Diese Gruppe ist leider sehr klein und hat überhaupt keine Lobby. Ich wohne in Bottrop und bin Mitglied der Grünen in Oberhausen.
Ich würde gerne hier in unserem Bereich einen Austausch in vielen Fragen haben. Ich würde mich freuen, wenn wir uns einmal austauschen könnten.
Sehr geehrte Frau Wahle-Laux,danke für den Kommentar. Für einen weiteren Austausch gerne eine Mail an redaktion@raebiger.net