Wohnraum bleibt knapp – trotz sinkender Bevölkerung
Wer eine Wohnung sucht, spürt die Auswirkungen der Wohnraumkrise unmittelbar. Der Boden ist ein unvermehrbares Gut. Grund und Boden zu Marktpreisen beeinflussen die Baukosten. Bauen ist Ausdruck gesellschaftlicher und kultureller Werte. Wir brauchen eine gesellschaftliche Verantwortung im Umgang mit Raum, Ressourcen und Beziehungen, eine gelebte Baukultur.
Besonders in Großstädten konkurrieren zahlreiche Interessenten um wenige verfügbare Wohnungen. Studierende, Familien, Singles und Menschen mit geringem Einkommen stehen dabei bereits häufig vor besonderen Herausforderungen. Durch die Umbrüche in der Stahl-, Autoindustrie und die teure Einführung der künstlichen Intelligenz in die Arbeitswelt, wird die Arbeitslosigkeit weiter zunehmen. Die Situation sorgt zunehmend für gesellschaftliche Spannungen und beeinflusst die Lebensplanung vieler Menschen.
Zum Jahresende 2025 gab es in Deutschland rund 44,0 Millionen Wohnungen für rund 82 Millionen Bürger. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, waren das 0,4 % oder 196.000 Wohnungen mehr als Ende 2024. Im Zehnjahresvergleich zum Jahresende 2015 erhöhte sich der Wohnungsbestand um 6,0 % oder 2,5 Millionen Wohnungen. Die Gesamtwohnfläche vergrößerte sich in diesem Zeitraum um 8,9 % auf 4,1 Milliarden Quadratmeter. Dies hört sich positiv an. Doch heute sind viele sozial geförderte Wohnung aus der Bindung gefallen, Marktmieten sind erlaubt.
2006 übernahmen die Länder vom Bund rund 2,1 Millionen Sozialwohnungen.
Ende 2024:war der Bestand 1.046.031 Sozialwohnungen.
Der Abwärtstrend setzte sich fort.
Gut zu wissen: in Deutschland standen beim letzten großen Zensus im Mai 2022 rund 1,9 Millionen Wohnungen leer. Über die Hälfte (55 Prozent) stand bereits seit mindestens einem Jahr leer. Wohnraum ist besonders in Großstädten ein Spekulationsobjekt. Erschwerend wirkt sich die wachsende Wohnungsgröße aus, die oft und zunehmend von einer Person belegt ist. Entfällt ein Partner, wird die große Wohnung, wegen der im Verhältnis geringeren Gesamtmiete, nicht aufgegeben. Wer zieht schon gerne aus der Wohnung mit 80 qm und mehr, auch wenn sie unsaniert aber preiswerter ist, in weniger als 60 qm bei höherer Monatsmiete. Gleichzeitig erhalten derzeit rund 1,2 Millionen Haushalte Wohngeld.
Dazu Wohnungsleerstand: Mieter raus – Rendite rein
Wohnraum ist mehr als ein Immobilien- oder Bauthema
Für Arbeitnehmer und Rentner ist die Miete mit der größte Kostenblock. Die Bau- und Immobilienwirtschaft trägt mit etwas mehr als 10% zum Bruttosozialprodukt bei und gehört damit auch zukünftig zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen des Landes. Wer will die schwere Arbeit am Bau bei Wind und Wetter leisten?
Der Schrei nach geförderten Sozialraummieten ist seitens des einzelnen Bürgers verständlich. Wer will schon jährlich einen Wohngeldantrag stellen. Lieber einmal den Nachweis des Bedürftigkeit und dann in der Wohnung bleiben. Die Fehlbelegungsabgabe (später Ausgleichszahlung für Sozialwohnungen) gilt in den Bundesländern abgeschafft. Allein Hessen hat sie 2016 wieder eingeführt. Bei 2 % der noch geförderten Wohnungen ist es eine politische Frage für die Zukunft.
Die Wohnungen werden nicht gefördert und können vom Bauherrn mit 2% abgeschrieben werden. Die Einkünfte aus den marktüblichen Wohnungsmiete werden beim Bauherrn durch die Abschreibungskosten steuerlich gemindert. Alle Bürger werden nach Bedarf mit Wohngeldzahlungen unterstützt.
Wohnungen mit Steuermitteln dürfen nur nachhaltig gefördert werden. Begünstigte könnten Genossenschaften und Gemeinnützige Träger sein.
Gemeinden können und müssen die Qualität ihrer gebauten Umwelt aktiv fördern? Wie lassen sich baukulturelle Anliegen frühzeitig in Planungs- und Entscheidungsprozesse integrieren? Eine Antwort ist in der Schweiz bei der Stiftung Baukultur zu finden.
Baukultur entsteht vor Ort
Bauen ist Ausdruck gesellschaftlicher und kultureller Werte. Jedes Gebäude, jede Straße, jedes Dorf, jedes Quartier bringt Werte in die Welt. Kommunen nehmen bei der Gestaltung unseres Lebensraums eine Schlüsselrolle ein. Sie setzen planerische Rahmenbedingungen, begleiten Bauvorhaben, entwickeln öffentliche Räume und prägen damit die Lebensqualität heutiger und zukünftiger Generationen.
Baukultur ist gelebte Verantwortung im Umgang mit Raum, Ressourcen und Beziehungen. Sie vereint wirtschaftliche, ökologische und soziale Nachhaltigkeit. Hohe Baukultur ist mehr als gebaute Umwelt, die funktional ist oder ästhetisch wirkt.
Baukultur betrifft uns alle
«Kultur bezeichnet alles, was Menschen geschaffen haben und wie sie ihr Zusammenleben gestalten. Baukultur beschreibt die gebaute Umwelt, die dabei entsteht.»
Das Erklärvideo «Baukultur betrifft uns alle» ist ein Instrument das Wissen zu verbreiten, mit dem die breite Bevölkerung erreicht werden kann. Nur wenn die gesellschaftliche Anerkennung und Akzeptanz der notwendigen „Baukultur“ erkannt und eingefordert wird, müssen sich die Gremienvertreter damit transparent auseinandersetzen.
Übernehmen wir Verantwortung!
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