Community Health Nurse

Gesund leben im Quartier

Mit zunehmendem Alter wird ein „Gesundheitslotse“ wichtig!

Bereits heute leben 42% in Singleshaushalten. Neben der individuellen Begleitung spielen Prävention und Gesundheitsförderung eine wichtige Rolle. Wir haben den Auftrag, unsere Gesundheit möglichst lange zu erhalten und Krankheiten vorzubeugen. Zur Optimierung brauchen wir entsprechende Lotsen und Netzwerke nicht nur durch das Gesetzes- und Verordnungsgestrüpp.

Die Primärversorgung in Deutschland steht vor großen Herausforderungen: Der demografische Wandel steigert den Bedarf nach Gesundheitsleistungen. Zugleich gilt es eine Versorgungskontinuität sicherzustellen, in einer Zeit wo insbesondere die medizinisch-pflegerische Versorgung immer unzureichender gewährleistet ist. Das Warten auf den Facharzttermin dauert oft Monate. Wer denkt in der Wartezeit an die Schmerzen, an die Leiden. Medizinische Versorgungszentren (MVZ) sind vordergründige Hilfen. (MVZ) bündeln aus wirtschaftlichen Gründen Arztpraxen, hauptsächlich im Bereich der Allgemeinmedizin. Vor dem Hintergrund zu schnellen Wachstums geraten MVZ in die Krisen. Melden kurzfristig Insolvenzen an.  So musste im November 2025 eine MVZ mit 134 Angestellten, darunter 30 Ärztinnen und Ärzte, in Gera mit über 40.000 Patienten Insolvenz anmelden. In Oberhausen gibt es derzeit etwa 6 bis 10 größere Medizinische Versorgungszentren (MVZ). In Deutschland gab es Ende 2024  an die 5.085 zugelassene Medizinische Versorgungszentren (MVZ), zuzüglich  5.000 zahnärztliche MVZ.

Neue Versorgungsansätze zwischen Innovation und Versorgungssicherheit

Die Schwarz-Gruppe (Lidl – Kaufland) mit der Sana-Kliniken AG richten Medical-Center und andere Modelle ein, unter anderem mit Unterstützung der Barmer Ersatzkasse Bayern „Medical Room’s“. Patienten können telemedizinische Sprechstunden wahrnehmen, mit dem Einkauf verbinden. Vor Ort unterstützt medizinisches Fachpersonal, während Ärztinnen und Ärzte per Videosprechstunde zugeschaltet sind. Einrichtungsträger sehen ähnliche Möglichkeiten. So hat auch der Landkreis Gießen mit den Asklepios-Kliniken einen neuen Ansatz der Gemeindeschwestern gefunden.

Hauptziel muss es sein, mit der Präventions- und Aufklärungsarbeit dazu beizutragen, dass die Menschen so

  • lange wie möglich,
  • gesund wie möglich und so
  • gut versorgt wie möglich zu Hause leben können.

Community Health Nursing (CHN) politisch und professionell ein notwendiges Steuerungsinstrument

Im Mittelpunkt steht dabei das Gespräch,  niedrigschwellige Beratung auf Augenhöhe.

Wie kommen sie im Alltag zurecht? Welche gesundheitlichen Fragen oder Sorgen stehen im Vordergrund? Auf dieser Basis führen CHN´s pflegerische Einschätzungen durch, messen Blutdruck oder Blutzucker und dokumentieren alles digital. Sie übersetzen medizinische Informationen in verständliche Sprache und nehmen Unsicherheiten ernst, gerade bei chronischen Erkrankungen. Viele Patienten haben Angst, weil sie Beschwerden nicht einordnen können. Sie erklären, wie man im Alltag selbst gut mit der Erkrankung umgehen kann. So stärken CHN gezielt die Gesundheitskompetenz und das Selbstmanagement. Die eingesparten Kosten für Krankwagenfahrten, Klinikeinweisungen etc. refinanzieren die CHN im Dorf/Quartier. 

Netzwerkarbeit in der Region ist unerlässlich. Mit Hausärzten, Pflegediensten, Kliniken, Therapeuten, sozialen Einrichtungen und der Kommune sprechen.

Das Ziel ist es, ein engmaschiges Netz zu knüpfen, in das die Menschen je nach Bedarf eingebunden werden können, damit sie zeitnah die Unterstützung bekommen, die wirklich zu ihrer Situation passt.

Gesundheitsförderung und Prävention gehören zum pflegerischen Kerngeschäft einer alternden Gesellschaft.

Es muss unser gemeinsames Anliegen sein, die Strukturen in der Primärversorgung zukunftsfähiger zu machen und dahingehend zu verbessern, dass Patienten bedarfsorientierter und umfassender versorgt werden.

Das Berufsbild der Community Health Nurse (CHN) ist in Europa schon länger eingeführt, lernen wir von den Nachbarn. Die Wissenschaft ist nicht neu zu erfinden nur anzupassen zu optimieren. In der Hansestadt Hamburg wurde das Modell „Costa Project“ von 2021 bis Ende 2023 gefördert. Lesenswert die Praxisempfehlung.

Wenn künftige Pflegeschüler sehen, dass sie sich weiterentwickeln, eigene Kompetenzbereiche aufbauen und auf fachlich hohem Niveau in der direkten Versorgung arbeiten können, ist das eine starke Perspektive für den Pflegeberuf.

Geben wir unseren Kindern, Enkel einen positiven Ausblick. Handel wir jetzt für unsere Zukunft. Befragen wir jetzt die Parteien und Kandidaten und erkennen ihre Absicht.

Allein die Konzentration von MVZ muss als Alarmzeichen verstanden werden. Erst seit 2004 sind MVZ in verschiedenen Ausformungen möglich. Es ist an der Zeit, dass sich die Gremienvertreter in den kreisfreien Städten und in den Kreisen auch in den Kommunalen Konferenzen „Alter und Pflege“ mit den Nachteilen und Gefahren auseinandersetzen. Warum nicht in einer Seniorenkonferenz offen eine Zukunftsplanung mit dem Thema „Zusammenarbeit im Gesundheitswesen“ mit den Bürgern diskutieren, es werden weitere Optimierungsmöglichkeit durch die Schwarmintelligenz aufgezeigt werden.

Es reicht nicht länger die Statistik fortzuschreiben und auf die Regelung des Marktes mit neuen Innovationsansätzen zu hoffen. Die bundesweiten Modellversuche sind auszuwerten und umszusetzen.

Wir brauchen eine optimierte, widerstandsfähige Gesundheitspolitik.

Bestehende Ausschüsse, „unbekannte“ Foren, Netzwerke dürfen zum Schutz der Demokratie nicht länger durch Geheimhaltung der Termine und Tagesordnungen Einzelinteressen dienen.

Siehe auch: Hilfe im Dorf / Quartier Demnächst: Wegweiser Quartier und Einsamkeit –

 

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