(Taschen)-Geld

Taschengeld konnten meine Eltern mir nicht regelmäßig geben, das war damals nicht üblich und bei uns auch finanziell nicht möglich und noch in keinem Gesetz festgeschrieben.

Sparen

Schon als kleines Kind habe ich gerne das bißchen Geld, welches ich manchmal geschenkt bekam, gespart. Meine Spardose war ein kleiner gelber Briefkasten, den mein Vater bei der Post erworben hatte. Als ich ihn geschenkt bekam, hatte er ihn schon mit einigen Groschen bestückt. Mensch, war ich stolz darauf! Meine Eltern haben diese Spardose auch in meinem Besitz gelassen und keine Kontrollen ausgeführt; sie haben auf meine Ehrlichkeit gesetzt, nichts, ohne ihr Wissen, zu entnehmen.  

Hin und wieder  bekam ich von meinen Großeltern ein paar „Taler“ und von meinen Eltern ebenfalls. Manches Mal bekam ich auch von unseren Besuchern eine kleine Summe.

Sparklub

In unserem Lebensmittelgeschäft, dies war so ein Tante Emma Laden, gab es einen sogenannten Sparkasten. Er hing neben der Eingangstür. Es war ein blecherner Kasten mit Schlitzen und Nummern. 

Da ich gerne sparte, bat ich meine Mutter, ob ich nicht auch ein Sparfach in dem Sparkasten bekommen könnte. Nach Rücksprache mit der Ladenbesitzerin wurde mir das unterste letzte Fach zugeteilt, damit ich gut mein Geld dort einwerfen konnte, auch wenn es am Anfang noch schwierig war, denn es fehlten mir noch einige Zentimeter an meiner Größe. Meine ersparten und später auch „erarbeiteten“ Groschen, manchmal war es sogar 1 DM, zahlte ich dort ein. Ich dachte dabei an Geschenke zu Weihnachten, Geburtstag und Muttertag.

Meine Mutter und die Besitzerin des Lebensmittelgeschäftes leerten alle zwei Wochen den dort im Laden befindlichen Sparkasten. Große Geldsummen füllten in jungen Jahren mein Fach nicht, aber es machte mir Freude. Am Ende des Jahres fieberte ich der Auszahlung entgegen und war stolz, wenn ich meine Tüte abholen konnte und eine kleine Summe mein Eigen nennen konnte. 

Sparmarken

Als ich eingeschult wurde, konnten wir Schüler ab dem 2. Schuljahr einmal monatlich Sparmarken erwerben. Stolz ging ich jeden Monat mit  meinem Geld zur Lehrerin und kaufte mir pro 1 Mark  10-Pfennigmarken. Damit konnte man die Sparkarten der Sparkasse Oberhausen vollkleben. Am  Weltspartag, im Oktober eines jeden Jahres, konnte man den Betrag auf sein Sparbuch einzahlen. Ich besaß also schon mit  knapp 8 Jahren mein erstes Sparbuch und zahlte auf dieses einmal jährlich das Geld der Karten ein. Die eingezahlten Beträge läpperten sich im Laufe der Zeit zusammen, zumal ich auch Geld aus meiner Spardose regelmäßig auf mein Sparbuch einzahlte. Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, dass ich bis heute immer eine finanzielle Sicherheit brauche.

Taschengeld aufbessern

Da weder meine Freunde noch Freundinnen und auch ich lange Zeit kein Taschengeld bekamen und natürlich trotzdem unsere kleinen Wünsche hatten, ließen wir Kinder uns einiges einfallen, wie wir zusätzlich ein paar Groschen für Süßigkeiten bekommen könnten.

Schrottsammeln

So haben wir einmal eine Schubkarre genommen, die bei uns im Stall stand, und sind losgezogen, um Blechdosen, Eisen, Metallkabel und alte Nägel zu sammeln. Wir hörten nämlich, dass es dafür beim Schrotthändler Geld gab. Schrott fanden wir jede Menge in der Gegend, denn Mülltrennung gab es damals noch nicht; jeder entsorgte seinen Müll irgendwo in der Landschaft. 

Wenn die Karre voll war, gingen wir mit unseren Funden zum Schrotthändler, den jeder kannte. Alles zusammen kam auf eine große Waage, und der Schrotthändler nannte uns eine Summe. Sein Verhalten weckte allerdings meinen Argwohn. Da er seinen Schrottplatz in unserer Nachbarschaft hinter hohen Toren betrieb, konnte ich ihn gut beobachten und sehen, dass, wenn Männer kamen, er das Wiegen unter einer anderen Prämisse vornahm. Die Materialien wurden von ihm aussortiert und getrennt gewogen sowie separat je nach Beschaffenheit bezahlt. 

Bei unserer nächsten Schubkarre, die wir voll hatten, legte ich Widerspruch ein: “Moment! Eisen kommt alleine auf die Waage, Blech ebenfalls, Draht und Nägel auch gesondert.“ Es gab zwar eine lange Diskussion mit ihm, aber ich setzte mich durch, und wir bekamen tatsächlich mehr Geld. Der Erlös wurde immer redlich unter uns geteilt, denn wir Kinder waren eine fest verschworene Gemeinschaft. War der Erlös nicht so groß, teilten wir die von dem Geld erworbenen Süßigkeiten ebenfalls ehrlich. 

Tante Emma Laden

In unserem Tante Emma Laden wurden die Schaufenster in regelmäßigen Abständen neu dekoriert. In mir wuchs der Wunsch, da mitmachen zu können. Da ich die Inhaber sehr gut kannte, fragte ich ich sie kurzerhand, ob ich beim Ausräumen der Schaufenster mit Hand anlegen dürfe. Zunächst durfte ich die Fenster einige Male ausräumen und säubern. Für diese Tätigkeit wurde ich jedes Mal mit ein paar Groschen und einigen Süßigkeiten belohnt.

Als nächstes durfte ich die Schaufenster in unserem Tante Emma Laden sogar dekorieren, was mir wahnsinnig viel Freude bereitete. Die Gestaltung überließen die Ladenbesitzer einfach mir. Meistens wurden Konserven ins Fenster gestellt.  Ich stellte  nach einiger Zeit fest: „Menschenskind, da kannst du ja ganz gut was für dein Taschengeld tun“, und so ging ich regelmäßig hin.

Mittlerweile war das mir entgegengebrachte Vertrauen so groß,  dass ich auch manches Mal verkaufen durfte. Früher hatte ich in der Wohnung mit meinem Kaufladen gespielt, nun stand ich auf einmal hinter einer richtigen Theke! 

Ich weiß nicht, ob Sie das auch noch wissen: Zum damaligen Zeitpunkt wurden die Hühnereier noch nicht in einer Kühltheke gelagert, sondern sie standen meistens in einem Korb auf der Theke. Immer wieder kam es vor, dass Hausfrauen sich über faule Eier beklagten; sie bekamen dann sofort Ersatz. Eines Tages stand im Geschäft ein elektrisches Gerät, mit dem man die Hühnereier durchleuchten konnte. War das Ei nicht mehr in Ordnung, zeigte sich in der Mitte des Eis ein schwarzer Punkt, und es wurde aussortiert. Diese Aufgabe wurde mir übertragen.

Alle gängigen Lebensmittel, wie Mehl, Zucker, Salz, Grieß usw. wurden in großen Säcken bereit gehalten, es war absolut nichts verpackt. Mit einer Schippe wurde die gewünschten Menge entnommen, in eine Papiertüte gegeben und abgewogen. Auch diese Tätigkeiten durfte ich ausführen. Ebenso räumte und wischte ich Regale aus. 

Zu diesem Zeitpunkt war  ich ungefähr 10 /11 Jahre alt. Meine Mutter war mit meinen Arbeiten gar nicht einverstanden und sagte: „Das ist ja schon Kinderarbeit, was du machst!“ Aber, ich fand das so schön, und ich unterhielt mich auch gerne mit den Kunden. Außerdem gab es eine Freundin, die nur ganz wenig Taschengeld bekam, die mir dann auch noch helfen durfte. Diese war glücklich, dass sie ihr Taschengeld auch aufbessern konnte. Und so überlegten wir ständig, wie wir noch Geld verdienen konnten. 

Eines Tages beendete mein Opa die angespannte Situation zwischen meiner Mutter und mir mit einem einzigen Satz: „Nein, das Kind braucht jetzt auch ihr eigenes Taschengeld!“ Meine Oma Hertha (mütterlicherseits) stimmte  ihm zu. Von dem Moment an bekam ich von beiden wöchentlich einen festen Betrag, manchmal auch ein bißchen mehr. Von Jahr zu Jahr wurde eine Erhöhung vorgenommen, was mich riesig freute.

Langsamer Wohlstand – auch bei uns

Langsam zog auch der wirtschaftliche Wohlstand bei uns ein. Bei uns vollzog er sich zunächst in der Anschaffung eines elektrischen Bügeleisens. Bis dahin hatten wir noch eines, das auf dem Kohleherd aufgeheizt werden musste, ein richtig klobiges und schweres Ding aus Eisen. Meine Hilfe wurde dabei von meiner Oma gerne angenommen, denn ich bügelte ihr die Taschentücher. Nun ging das Bügeln leichter von der Hand.

Meine Eltern freuten sich über jede weitere Anschaffung. Ein Staubsauger hielt Einzug und erleichterte die tägliche Reinigung, mussten doch nunmehr die Teppiche nicht mehr wöchentlich über die Teppichstange geschwungen und mit dem Teppichklopfer bearbeitet werden. 

Als nächstes gab es einen Elektroherd, dann neue Lampen und Gardinen usw., sogar Bilder verschönerten nunmehr unser Heim. Beim Kauf von Schuhen und Kleidung wurde zunehmend auf gute Qualität Wert gelegt. 

Auch der geplante Hausbau war häufig ein Gesprächsthema, sowie ebenfalls der Kauf von neuem Mobiliar. Wir hatten zunächst auch noch keinen Fernseher, kein Telefon. Das kam alles später. Aber wir hatten ein Radio!

J.L.
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