Horst Rübenkamp

Profil

Eltern Rübenkamp, 1922

Herr Horst Rübenkamp wurde am 13. Januar 1932 als zweites Kind seiner Eltern Paula und Hermann Rübenkamp in Essen geboren. Der Vater war Jahrgang 1901 und die Mutter Paula  Jahrgang 1898. Seine Eltern heirateten im Oktober 1921.  Er hatte zwei Schwestern. Die ältere Schwester war 12 Jahre älter und die jüngere 4 Jahre. Zur Familie gehörten auch die Großeltern mütterlicherseits, der Großvater väterlicherseits, einige Onkel und Tanten und Cousinen.

Familie Rübenkamp

Seine leibliche Mutter konnte Herr Rübenkamp nie kennen lernen, denn sie starb 10 Tage nach seiner Geburt. Die Schwester seiner Mutter übernahm durch die Heirat mit seinem Vater schnell die Mutterrolle.

Mit 4 Jahren kam Herr Rübenkamp für circa 2 Wochen in eine Kinderverwahranstalt. Dort war er sehr unglücklich und wurde von seiner Mutter nach kurzer Zeit wieder herausgeholt, nachdem er wegen einer Kleinigkeit bestraft worden war.

Kinderverwahranstalt in Essen-West, 1936

Bis zu seiner Einschulung in die Volksschule – nach Ostern 1938 – hatte Herr Rübenkamp eine relativ unbeschwerte Kindheit. Bei der Machtübernahme 1933 durch Hitler war er 1 Jahr alt. Aber schon im Alter von 6 Jahren begann er sich für die Hitlerjugend zu interessieren. Als er 10 Jahre war, konnte er endlich in die DJ (Deutsches Jungvolk) eintreten und war stolz, als er eine Uniform tragen durfte.

Bei einem Fliegerangriff am 15. März 1943 wurde das Haus, in dem die Familie Rübenkamp wohnte, völlig beschädigt, so dass dort kein Wohnen mehr möglich war. Mutter und Kinder besaßen nur noch das, was sie auf dem Leib trugen und kamen bei Verwandten unter.

Bereits 1941 verschickte man Kinder aus den bombardierten Städten des Ruhrgebiets in sichere Gebiete, so auch Herrn Rübenkamp. Am 25. März 1943 kam Herr Rübenkamp dann offiziell zur Kinderlandverschickung (ab Alter 10), und er verbrachte die nächsten 3 Jahre mit kurzen Unterbrechungen in zwei verschiedenen KLV-Lagern, zunächst für 9 Monate in dem Protektorat Böhmen und Mähren und danach für 2 Jahre in dem KLV-Lager Raab bei Pardubitz.

Ende April 1945 mußte Herr Rübenkamp – er war zu diesem Zeitpunkt 13 Jahre alt– das KVL-Lager wegen ständiger Luftangriffe verlassen und den Heimweg antreten. Es begann eine regelrechte Odyssee mir schrecklichen Erlebnissen und Eindrücken. Zum Glück fand er auf dem Bauernhof bei Familie Biebl in dem kleinen Ort Kitzenried in der Oberpfalz mit einem Freund für 6 Monate Unterschlupf. Dort arbeiteten die beiden für Verpflegung und Unterkunft, bis sie endlich ihre endgültige Heimreise antreten konnten.

Seine Mutter und er lebten nach seiner Rückkehr vom Spätherbst 1946 bis 1950 in einer Wohnung von gerade mal 12 qm in einem Pastoratshaus in Mülheim-Heißen. Es war seit 1865 im Besitz der Familie mütterlicherseits, bevor es durch einen Verkauf den Besitzer wechselte. 

Von November 1945 bis April 1946 besuchte er noch bis zu seinem Schulabschluss die 8. Klasse der Wilhelmschule. Er begann noch in diesem Jahr eine Lehre als Schmied. Sein ausgezehrter Körper und sein starkes Untergewicht waren der Grund, dass er diese Lehre abbrechen musste.

Am 1. April 1946 war  Beginn der Lehre zum Maschinenschlosser auf der Schachtanlage Zeche Rosendelle in Mülheim/Ruhr. Durch die Fürsprache eines Onkels, der dort als Fahrsteiger beschäftigt war, bekam er diese Lehrstelle. Am 30. April 1949 legte er vor der Handelskammer in Düsseldorf  seine Gesellenprüfung ab.

Für 8 Jahre arbeitete er als Fördermaschinist auf der Zeche Langenbrahm in Rellinghausen und machte dann eine Umschulung zum Elektromaschinenbauer. Nach weiteren 4 Jahren absolvierte er im Alter von 37 Jahren seinen Meisterbrief im Bereich Elektrotechnik und arbeitete in diesem Beruf bis zu seiner Pensionierung.

Hochzeit am 04.08.1956

Inzwischen ist Herr Rübenkamp über 60 Jahre mit seiner Ehefrau Helga glücklich verheiratet. Sie lernten sich beim Tanzen kennen und gehen bis heute dieser  gemeinsamen Leidenschaft mit großer Freude nach. Das Ehepaar hat einen Sohn und 2 Enkel.

Seit einigen Jahren ist Herr Rübenkamp als Zeitzeuge ehrenamtlich tätig, und zwar bei der Zeitzeugenbörse in Mülheim an der Ruhr. Er geht mit seiner eigenen Lebensgeschichte über die Vor- und Nachkriegszeit in Schulen und berichtet den jungen Menschen über sein persönlich Erlebtes.

In Rahmen dieser Zeitzeugentätigkeit  wurde die „Februar Film GmbH“ auf ihn aufmerksam. Es soll eine Dokumentation entstehen, an der mehrere Zeitzeugen beteiligt sein werden. Mit einem  jungen Filmteam machte Herr Rübenkamp mit seiner Enkelin Lea eine  „Reise in die Vergangenheit“ nach Tschechien und in die Oberpfalz. Dort besuchten sie die Orte und Stätten, die in seinem Leben eine große und einschneidende Rolle gespielt hatten und ihn für sein Leben geprägt haben. Von dort brachte er viele eindrucksvolle Videoaufnahmen mit, die er den Mitgliedern der Zeitzeugenbörse Mülheim  zeigte. Diese Reise hat ihm viel Freude gemacht, aber auch etliche Erinnerungen wieder wach werden lassen.

Brigitte Reuß

Mein Name ist Brigitte Reuß. Ich war im November 2011 Mitbegründerin der Zeitzeugenbörse Mülheim an der Ruhr.

Eins meiner vielen Interessen war immer schon, das aktuelle politische Geschehen in einem größeren historischen Zusammenhang zu sehen. Was mit Einzelschicksalen in ihrer jeweiligen Zeit passiert, habe ich schon in die Wiege gelegt bekommen, denn beide Eltern waren nach dem 2. Weltkrieg Flüchtlingskinder, mein Vater sogar noch Kindersoldat. Erst nach meiner Pensionierung konnte ich mich mit den Folgen dieser schrecklichen Zeit in der deutschen Geschichte beschäftigen und damit auch mit den Ursachen.

Bei meiner Arbeit ist mir ganz wichtig, immer auf das Alter der Erzählenden zu achten und immer danach (auch der Zuhörer sich selbst in seiner Biografie) zu fragen, inwieweit das politische Bewusstsein schon vorhanden war; und das ist bei jedem Menschen verschieden. Ich möchte ein Mosaikstückchen dazu beitragen, dass junge Menschen ihr persönliches politisches Bewusstsein bilden können; deshalb ist mir die Arbeit an Schulen eine Herzensangelegenheit.

Die Zeitzeugen fühlen sich manchmal unverstanden, wenn aus dem Heute Rückschlüsse nach Gestern geschlossen werden, frei nach dem Motto Warum habt ihr nichts gemerkt?, Wie konnte das passieren?, usw. Und genau hier ist der Punkt, an dem ein Austausch mit der jüngeren Generation stattfinden kann. Indem es den Zeitzeugen gelingt, dass sich die Schülerinnen und Schüler in die damalige Zeit versuchen hineinzuversetzen, können auch Bilder für das eigene Leben, für die eigene Zukunft entstehen.

Viele unsere Zeitzeugen haben schon längst die 80 überschritten. Zeit also, sie noch allerhand zu fragen!!

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