Freizeitgestaltung nach dem Krieg

Kino

Die Möglichkeit, Sport zu betreiben, war kurz nach Kriegsende noch sehr spärlich, denn es gab keine Turnhallen. Viele Sportplätze waren belegt mit Notunterkünften. Unser Vergnügen bestand in erster Linie aus Kinobesuchen. Da gab es in Mülheim einige Kinos: Ufa-Palast, Löwenhof, das modernste war in der Bachstraße. Mein damaliger Freund Franz und ich hatten die grandiose Idee, sonntags schon um 11 Uhr in die Stadt zu fahren. Wir kauften an jedem Kino 10 Karten, für den Ufa-Palast 10 Karten für die 14 Uhr-Vorstellung, für den Löwenhof 10 Karten für die 16 Uhr-Vorstellung und für das Moderne 10 Karten für die 18.30 Uhr-Vorstellung. Man muss wissen: Kino war zu dieser Zeit so ziemlich das einzige Vergnügen, das es gab.

Herr Rübenkamp erzählt über die Freizeitgestaltung kurz nach dem Krieg

Alle Kinos waren kurz vor Beginn der Vorstellung ausverkauft, und es standen eine Menge Leute vor der Kasse, um Karten zu kaufen. Aber es gab keine mehr. Wir aber hatten jeweils 8 Karten und boten diese an, aber nicht für Geld, sondern jeweils für eine Zigarette. Das war damals die harte Währung. Wir wurden im Laufe des Sonntags alle Kinokarten los und waren im Besitz von etwa 20 verschiedenen Zigaretten, die wir am anderen Tag an unserer Arbeitsstelle dann für jeweils 3 Mark verkauften.

Wenn man  überlegt, dass eine Kinokarte 50 oder 70 Pfennig gekostet hat, so hatten wir ein schönes Geschäft gemacht. 30 Karten kosteten 21 Reichsmark und 20 Zigaretten für jede 3 Reichsmark verkauft, ergaben 60 Reichsmark. So hatten wir 39 Reichsmark am Sonntag verdient und der Lehrlingslohn betrug gerade mal 25 Reichsmark im Monat.

Tanzen

Damals, so ab 1947, gab es schon in fast allen Gastwirtschaften samstags und sonntags Tanz. Mit meinen Freunden ging ich am Wochenende zum Tanz: In den  Krug zur Heimaterde oder zu Onkel Leopold am Hingberg usw. Ich war aber noch keine 18 Jahre alt und durfte nur in Begleitung eines Erwachsenen eine Gastwirtschaft betreten. Zum Glück hatte ich ja eine Schwester, die sieben Jahre älter war als ich. Wir gingen immer zusammen in eine Wirtschaft, in die meine Schwester ging.

Herr Rübenkamp erzählt über die Freizeitgestaltung im Krieg, insbesondere das Tanzen

Einmal besuchte ich mit mehreren Kollegen eine Art Tanzschule in einer Gaststätte.  Der  

Tanzlehrer, Herr Metzger, bemühte sich krampfhaft, uns einige Tanzschritte beizubringen, und eine ältere Dame machte dazu die Musik auf einem total verstimmten Klavier. Es ließ sich phantastisch tanzen mit groben Schuhen und Gummisohlen.

Nach meiner bestandenen Gesellenprüfung war ich 17 Jahre alt und durfte noch nicht im Freien rauchen und immer noch nur in Begleitung tanzen gehen.Als ich 18 Jahre wurde, brauchte ich endlich keine Begleitung mehr. 

Schlittschuhlaufen

Ein anders Vergnügen im Winter war Schlittschuhlaufen. Ich hatte von einer Cousine ein paar alte Schlittschuhe bekommen, die man mit einem Schlüssel an den Schuhen festklemmte. An einigen Winterabenden war der Teich in der Heimaterde zugefroren. Es kam vor, dass ich mit meinem Freund Franz ganz alleine bis Mitternacht Schlittschuh lief. Die Freude meiner Mutter hielt sich in Grenzen, denn ich musste um 4.30 Uhr aufstehen. Meine Mutter ging nicht eher zu Bett, ehe ich da war. Wohlstand

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