Kindheit

Mein Leben fing eigentlich ziemlich turbulent an, denn zwei Tage nach meiner Geburt am 06.10.1949 in Oberhausen passierte das für Eltern Unvorstellbare: Ich wurde im Krankenhaus vertauscht. Die Beharrlichkeit meiner Mutter gegenüber Schwestern und Ärzten führte dazu, dass ich bald wieder bei meinen leiblichen Eltern landete. Das andere Mädel lernte ich später mal kennen, wir wohnten nicht weit auseinander. Bei ihr gab es im Familienleben einen strikten Plan: Sie hatte z.B. mehrmals wöchentlich Ballett- und Klavierstunden. Da blieb zum Ausleben des Kindseins kaum noch Zeit. Auch musste sie in der Schule die Beste sein. Ihr fehlte die Fröhlichkeit, die wir anderen Kinder hatten. 

Leider erkrankte meine Mutter nach meiner Geburt sehr, sodass ein langer Krankenhausaufenthalt und eine anschließende Kur erforderlich wurde. Während dieser Zeit kümmerte sich meine Oma liebevoll um mich. 

Früheste Kindheit

Schon als Kind habe ich  Geschehnisse und Menschen um mich herum stets genau beobachtet, was sich in meinem weiteren Leben fortsetzte. Bis zu meinem 2. Lebensjahr war ich allerdings sprechfaul. Außer Mama, Papa, Oma und Opa zu sagen, habe ich geschwiegen, soll aber nach Aussagen der Familie für jeden immer ein freundliches Lächeln gehabt haben.  

Die gesamte Familie und alle uns nahestehenden Nachbarn waren in größter Sorge. Kurz nach meinem 2. Geburtstag fing ich an zu sprechen, und zwar sofort  – zur Überraschung aller – perfekt, und mein Vater sagte später öfter zu mir: „Und dann hat dein Sabbel einfach nicht mehr stillgestanden.“ Denn von dieser Zeit an beteiligte ich mich rege an Unterhaltungen und war wie alle Kinder sehr wissbegierig. 

In meiner frühesten Kindheit spielte ich mit Puppen und meinem kleinen Puppenwagen, malte mit Buntstiften Bilder aus und beschäftigte mich mit Spielsachen der unterschiedlichsten Art. Ich weiß nicht, wer auf die Idee kam, mir einen Brumm-Kreisel zu schenken, der zu alledem noch heulte und die schrecklichsten Geräusche machte. Meine Güte, langweiliger konnte ein Kind nicht beschäftigt werden, ich fand das Ding jedenfalls grottenschlecht.

Ich befasste mich lieber mit irgendwelchen Dingen, wo irgend etwas passierte, wie zum Beispiel beim Basteln: mal mit Papier, mal mit Strohhalmen oder mit Knetgummi. Meine Mutter spielte sehr viel mit mir Memory, Mikado oder Domino. 

Meine ersten Hobbys

Sobald ich lesen konnte, unterstützten mich meine Eltern darin. Mein erstes Kinderlexikon habe ich geradezu verschlungen, ebenso war für mich stets Lesematerial in Form von Mädchenbüchern vorhanden. Meine Mutter spielte und bastelte viel mit mir und brachte mir das Handarbeiten bei, wenn es draußen regnete. Das Stricken lernte ich zuerst an der Strickliesel, aber schnell wurde mir diese Art langweilig, und ich wollte andere Dinge herstellen. So begann ich das Häkeln von Topflappen, erlernte das Nähen, das Stricken und noch viele andere nützliche Dinge. 

Auf einem Gebiet allerdings konnte sie mir nicht helfen: Das Zeichnen und Malen. Ich konnte es einfach nicht, was ich als einen großen Nachteil betrachtete, denn trotz aller möglichen Versuche, es klappte nicht.

Spielen

Wenn ich aus der Schule kam, musste ich mich umziehen und zum Spielen draußen andere Kleidung anziehen. Vor unserem Haus hatten wir einen großen Hof, wo wir Kinder spielen konnten.

Wollte ich mich richtig austoben oder mich zum Lesen im Freien zurückziehen, nutzte ich den direkten Durchgang von unserem Hof in unseren Garten zu meinen Großeltern. So hatte ich viel Freiraum zum Spielen zur Verfügung.

Gemeinsame Unternehmungen

Kinder in meinem Alter gab es wenige in unserer Wohngegend. Wir waren insgesamt 4 Mädels und 2 Jungen. Mehr gab die Ecke wegen der wenigen Häuser und der darin lebenden kleinen Familien nicht her. Deswegen spielten wir viel zusammen. Da es keine Türschellen gab, musste man überall anklopfen, oder wir haben vor der Haustüre gestanden und so laut den Namen gerufen, bis endlich jemand ans Fenster kam. Und dann wurde gefragt, ob derjenige zum Spielen da sei, und wenn ja, sind wir natürlich zusammen losgelaufen. 

Meistens war das Ziel unser Garten, weil es sich da wunderbar spielen ließ. Wir Kinder konnten spielen so viel wie wir wollten, es bestand nirgendwo eine Gefahr. Autos fuhren vielleicht ein- bis zweimal pro Tag, ansonsten waren die Pferdewagen der Bauern präsenter. Auch der Milchmann kam anfangs noch mit dem Pferdewagen, ebenso der Kohlenwagen. Wir konnten an Tümpeln die Kaulquappen und Frösche beobachten, in einem kleinen Bach stauten wir schon mal das Wasser, flochten uns aus gepflückten Blumen Halsketten und Armbänder. Wir hatten Wiesen und Felder zur freien Verfügung, unserer Fantasie beim Spielen waren keine Grenzen gesetzt.

Mädchenspiele im Freien

Wir ließen uns vieles an Spielmöglichkeiten einfallen. Das Spielen mit Puppen und Puppenwagen sowie dem Kaufmannsladen standen ganz oben in der Beliebtheitsskala; aber es gab noch andere Dinge, die uns Kindern Spaß machte. So flochten wir in den Sommermonaten aus gesammelten Blumen Haarkränze, Halsketten und Armbänder.

An heißen Tagen wurde in unserem Garten eine große Zinkwanne auf die  Wiese gestellt, die morgens von meinem Vater mit dem Wasserschlauch gefüllt wurde. Wenn wir mittags darin tobten, hatte das Wasser die richtige Temperatur.

Wir hinkelten, spielten mit Murmeln und tauschten untereinander Glanzbilder. Wir spielten Verstecken oder eine rief: „Wir spielen Leichtathletik“, was Wettrennen, Weitspringen, Ball- und Astwerfen bedeutete. Wir jonglierten mit einem Diabolo, fuhren mit dem Roller oder liefen Rollschuh. 

Das Klettern auf unseren großen Birnbäume in unserem Garten war – zum Leidwesen meiner Eltern – eine Leidenschaft von mir. Wenn ich mal alleine war, saß ich gerne auf einem dicken Ast und las in einem meiner Bücher. Auch turnte ich gerne an der Teppichstange.

Wir pressten auch zarte Blumen, und zwar machten wir das damals so: Die Blumen wurden zunächst nach dem Pflücken zwischen zwei Zeitungsseiten gelegt, darauf kam ein Ziegelstein. Nach einigen Tagen konnten wir die Blumen entnehmen und zwischen zwei Löschblättern in ein Buch legen. Waren die Blümchen dann vollständig getrocknet, konnte man sie als kleine Geschenke hinter einem Glasrahmen oder als Beilage in einem Brief verwenden.

Wenn der Herbst Einzug hielt, die Blätter von den Bäumen fielen, sammelten wir Blätter von unterschiedlichen Bäumen, säuberten und trockneten sie. Im Winter fuhren wir mit dem Schlitten, machten Schneeballschlachten und bauten einen Schneemannes. Wenn wir im Winter draußen gespielt hatten und durstig waren, sind wir nicht zum Trinken nach Hause gelaufen, sondern brachen uns irgendwo herunterhängende Eiszapfen ab und lutschten daran.

Tierliebe

Ich wuchs sehr naturverbunden auf, sodass ich schon als Kind mit jedem Lebewesen sehr behutsam umgegangen war. Schon vor meiner Geburt gab es  einen Hund im Haushalt meiner Eltern, unsere Alke, eine schwarze Langhaar-Teckel-Dame, die leider viel zu früh verstarb. Ich muß 9 Jahre alt gewesen sein, da kam unser Pitty zu uns, wieder ein Langhaar-Teckel, ein richtiger Draufgänger, der sich ebenfalls zu einem nicht wegzudenkenden Familienmitglied etablierte. Pitty wurde fast 19 Jahre alt und machte uns viel Freude.

Auf dem Grundstück meiner Großeltern gab es etliche Hühner, sogar 2 Kaninchen, einen Hund und einige Katzen, denn Katzen waren die Leidenschaft meiner Oma. So wurden alle Waisen aufgenommen und versorgt. Früher gab es wohl auch noch ein Schwein. Als dieses geschlachtet werden sollte, ging meine Oma morgens ganz früh in den Stall, nahm das Schwein und versteckte es. Erst abends, als der Metzger weg war, kam sie mit dem Tier wieder. Sie konnte sich von keinem Tier trennen, auch wenn es zum Essen notwendig gewesen wäre.

Ich kann mich allerdings an keine Schlachtung erinnern. Die Hühner waren die letzten, die an Altersschwäche starben. Alle hatten Namen und folgten meiner Oma auf Schritt und Tritt. Zwei von ihnen kamen regelmäßig in die Wohnung, hinterließen aber keinerlei unangenehme Spuren.

Mein Zahnarztbesuch

Eines Tages hatte ich mit einem Zahn ein Problem. Ich bat meine Mutter, mit mir zum Zahnarzt zu gehen. Sie verneinte aus für mich unverständlichen Gründen. Also putzte ich mir die Zähne und machte mich alleine auf den Weg zu unserem Familienzahnarzt – ein Freund meines Opas. Unterwegs traf ich noch meine Freundin. Sie ging mit mir.

Meine Mutter konnte wohl nicht glauben, dass ich tatsächlich den Arzt aufsuchen würde und ging wohl hinter uns her, was wir aber zunächst gar nicht mitbekamen. Im Warteraum war noch kein Patient, so dass ich sofort ins Untersuchungszimmer konnte. De Zahnarzt fand nichts, und ich konnte wieder gehen.

Als wir aus der Praxis kamen, stand meine Mutter kopfschüttelnd an der nächsten Ecke, ging dann kurz in die Praxis und anschließend gemeinsam mit uns nach Hause.

Stunden später kam die Mutter meiner Freundin zu uns in den Garten gelaufen und rief in Richtung meiner Mutter: „Frau Stevenz, was sind Sie nur für eine Rabenmutter, ihre Tochter alleine zum Zahnarzt zu schicken.“

Essenshilfe für Kriegsversehrte

Bis Mitte der 1950er Jahre kamen immer wieder Kriegsversehrte zu uns, deren Anblick mich jedesmal sehr erschütterte. Sie kamen schwerfällig auf Krücken gestützt und in Lumpen gekleidet zu uns und bettelten um Essen. Ich fragte mich immer wieder, warum diese Menschen den weiten Weg auf sich genommen hatten, um letztendlich ausgerechnet in diese Einöde zu gelangen. 

Meine Eltern und Großeltern halfen, wo sie konnten. Es hatte sich wohl herumgesprochen, dass man bei uns etwas bekam. Meine Eltern und einige Nachbarn, die direkt neben uns wohnten, hatten sich zusammengetan und einmal in der Woche den armen Menschen etwas Essbares gereicht. Es waren einmal 5 bis 7 Personen, die über einige Wochen immer wieder erschienen. Eine Nachbarin buk Brot, eine andere einen Kuchen, es wurde eine Suppe gekocht, und dann wurden die Leute im Garten bewirtet. 

Es machte mich immer sehr nachdenklich, warum diese Menschen, die in einem Krieg waren, nicht vernünftig versorgt wurden. Aber, wie es eben früher in den Familien so üblich war, richtige Antworten darauf bekam ich nicht, da konnte ich noch so oft fragen. Nach ein paar Wochen kamen keine Bettler mehr.

Abenteuer

Für uns Kinder war unsere Wohngegend schön, denn wir hatten viel Freiraum, viel naturbelassenes Land, wo wir unbeschwert spielen konnten. 

Mutproben

Wir liefen oft in die Felder hinaus, meist auch an unsere kleine Beeke (ein künstlich begradigter Wasserlauf), ein Bach, der am Ende in einem Tümpel endete. An dieser Beeke machten wir unsere Mutproben: Wer traut sich da rüberspringen? Ich war natürlich immer die erste, die reinfiel, da ich zu dem Zeitpunkt die Kleinste war. Allerdings bin ich danach nie direkt nach Hause gegangen, weil meine Mutter stets sagte: „Ich mag keine schmutzigen Kinder!“  Das hieß nicht, dass ich mich nicht schmutzig machen durfte, aber dass ich mit Schlamm behaftet nach Hause kam, das mochte sie nun wirklich nicht, und der Boden der Beeke war nun mal recht schlammig. Jedesmal also, wenn ich wieder „schlammig“ aussah, lief ich zuerst zu einer lieben Nachbarin. Sie holte für mich frische Kleidung bei meiner Mutter und zog mich wieder trocken an. Wenn ich dann anschließend nach Hause kam, meinte ich immer noch, meine Mutter habe nichts davon gemerkt. Diese Meinung war meiner kindlichen Naivität geschuldet. Denn die Erkenntnis, dass sie es doch mitbekommen hatte, kam rasch, spätestens beim abendlichen Gespräch darüber.

Russenkuhle 

Auch das kleine Häuschen, in das wir gezogen waren, hatte ein recht großes Gartenstück hinter dem Haus. Wenn sich in meiner Kindheit Erwachsene unterhielten, ist schon mal der Namen „Russenkuhle“ gefallen, aber ich konnte mir absolut unter diesem Begriff und einer Russenkuhle nichts vorstellen. 

Am Ende unseres Gartens stand auf einer angrenzenden Wiese ein riesiges Eisengitter. Dieses Eisengitter war mit dicken Schlössern versehen und mit entsprechend kräftigen Schrauben gesichert. Als ein Teil des Gitterzaunes eingerissen wurde, ich war da vielleicht 7 oder 9 Jahre alt (also ungefähr 1956-1958), konnten wir Kinder zum ersten Mal auf die Fläche, die dahinter lag. Eine vom Zaun ausgehende Wegstrecke von etwa 20 Metern führte über eine herrliche Blumenwiese an den Rand einer riesengroße Kuhle, die ein immenses Ausmaß aufwies.

Es war nicht eine einfache Kuhle, wie man sie sich bei einem Bergwerk vorstellt. Diese Kuhle war so weit in die Tiefe ausgebaggert, dass nur noch Lehmboden sichtbar war, welcher im Sommer total eingetrocknet war und dadurch größere Risse auswies. Inmitten dieser Kuhle waren hohe Lehmberge, die auch über den Rand dieser Kuhle herausragten. Ein Zugang zur Kuhle war, wenn man dort hinein gewollt hätte, nicht möglich gewesen, weil man dann mindestens 6 bis 8 Meter oder mehr in die Tiefe gestürzt wäre. Deswegen hieß es immer von Seiten meiner Eltern: Bloß nicht dahin gehen!

Wie bei Kindern üblich, war irgendwann, besonders nach diesem allgemeinen Verbot, die Neugier geweckt. Wir wollten wissen, was sich dort verbergen könnte. Irgendwann haben wir in Erfahrung gebracht, dass man von der Oberhausener Seite aus zu ebener Erde leichter in diese Russenkuhle hineinkam. Es war inzwischen Winter geworden, und natürlich haben meine Freundin und ich uns auf den Weg zur Kuhle gemacht. Wir freuten uns aufs Rodeln, weil eben dort die (Lehm-)Berge waren. Vom ersten Rodeltag nach Hause gekommen, gab es natürlich ein Donnerwetter, wie ich es noch nie in meinem Leben erlebt hatte, dass ich es gewagt hatte, in diese Kuhle zu gehen. 

Ich wusste aber immer noch nicht, warum ich nicht da reindurfte. Mir war nur aufgefallen, dass hinter der Russenkuhle Baracken standen. Das waren Holzbuden, die aus der Ferne heruntergekommen aussahen. Mein Vater erklärte mir daraufhin, dass wohl zur Nazizeit in dieser Russenkuhle Zwangsarbeiter für große Firmen gehalten wurden und dass die Kuhle wohl ein Schutz für sie war. Die Zwangsarbeiter hatten diese Kuhle mit bloßen Händen und Schippe ausheben müssen. Wenn die Bomben fielen, konnten sie dort Schutz suchen, weil die Holzbaracken eben nicht genügend Schutz geboten hätten oder nicht schnell genug erreichbar gewesen wären. Weiter wagte ich nicht nachzuhaken. Auch hieß es: Dieser hohe Gitterzaun habe immer dort gestanden, weil keine Kontakte zu den Anwohnern bestehen durften. Die Zwangsarbeiter seien alle so hungrig gewesen und immer, wenn sie jemanden gesehen hätten, hätten sie ihre Hände durch diese Gitter gesteckt. Die Bewohner, die das mitbekamen, hätten ihnen heimlich Brot oder was sie entbehrenkonnten zugesteckt. Es muss schrecklich gewesen sein.

Mir wurde von meinen Eltern nochmals aufgetragen, mich nicht in die Nähe der Baracken zu begeben. Das hielt uns aber nicht davon ab, einige Tage später verbotenerweise wieder dort zu spielen, und das, obwohl mein Vater eindringlich zum Ausdruck gebracht hatte, das es sein könnte, dass dort vielleicht noch Blindgänger aus dem 2. Weltkrieg liegen würden. 

Wir sollten also nicht reingehen. Es hatte sich aber bereits rumgesprochen, dass wir da schon da waren. Jedenfalls ließ ich mich bei nächster Gelegenheit doch dazu verleiten mitzugehen. 

Wir liefen durch die gesamte Russenkuhle. Auf einmal entdeckten wir, ungefähr in der Höhe der heutigen A40, dass dort zwei Zugänge zu wohl ehemaligen Bunkern waren. Der vom ersten Zugang ausgehenden Gang  war verwinkelt und der Mauerbau intakt. Dieser Gang führte direkt vor eine dicke Eisentüre, die noch mit einem verrosteten Schloss versehen war. Der andere Zugang war einfach nur mit morschen Holzbrettern am Eingang verschlossen.  

Die ersten Jungs sind natürlich genau dort rein, kamen schreiend wieder heraus und haben uns dadurch in Angst und Schrecken versetzt. Vor Entsetzen liefen wir Mädchen alle fort. Wir Mädchen wollten aber nicht als Angsthasen gelten und gingen zurück zum Eingang. Die Jungs waren bereits wieder im Stollen und fanden Gebeine. Sie schrieen: „Hier sind Köpfe! Unterschenkel! Hände!“ 

Total entsetzt lief ich nach Hause und, verstört wie ich war, erzählte alles zu Hause. Meine Eltern waren fassungslos und erteilten mit allem Nachdruck ein erneutes Verbot: „Du gehst nie mehr in die Russenkuhle!“ Aber irgendwie war eine solche Neugierde in mir vorhanden, und deswegen ging ich einige Wochen später erneut mit einer Freundin in die Kuhle. 

Der Zugang des Bunkers mit der Eisentüre war offen, und ein kleiner Vorraum konnte betreten werden. Dieser endete aber nach etwa zwei Metern durch eine Mauer. Somit war ein weiteres Betreten des Bunkers nicht mehr möglich. Das war wohl der Bunker für die zwei oder drei Häuser und dem Bauernhof, der da oben noch war, wie man mir später erzählte. So eine Art Privatbunker, und dieser ist dann innerhalb von ein paar Tagen zugemauert worden. 

Der zweite Bunkereingang war wohl mit Erdreich zugeschüttet worden und somit ebenso unzugänglich gemacht worden. 

Wahrscheinlich hatten andere Kinder den Vorgang  zu Hause ebenfalls erzählt. Vielleicht haben sich auch einige Elternpaare kurzgeschlossen und für Abhilfe gesorgt. Ich weiß es nicht. Später sagte man uns, wir hätten uns geirrt, es seien alles Knochen von einem verendeten Tier gewesen.

J.L.
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