Kriegszeit

Ausgebombt

1939 brach der Krieg aus und man hatte sich an Verdunklung, Lebensmittelkarten und Bezugsscheine zu gewöhnen. Und als sich in den ersten Jahre die Sondermeldungen über die deutschen Siege überschlugen, dachte man, dass das Spiel bald vorbei sein würde. 

In Berlin konnte das kulturelle Leben nachmittags derweil erhalten bleiben: ob  Oper, Operette, Theater, Revuefilme – das Volk musste bei Laune gehalten werden. Und auch ich nahm daran teil.

Als die russische Front 1945 immer näher an Berlin heranrückte, verließ die Familie mit einem der letzten fahrplanmäßigen Züge – leider für immer – Berlin; insbesondere die Angst des Vater vor den Russen hatte sie dazu bewogen. Auf dieser Fahrt erlebten sie einen Tieffliegerangriff und verkrochen sich dabei unter die Waggons. Sie kamen nach Lauenburg an der Elbe bei einer Feldpostbekanntschaft ihres Bruders unter und schliefen vorübergehend in einem Schweinestall. Unterwegs sahen sie riesige Flüchtlingszüge; insbesondere die von den Müttern geschobenen leeren Kinderwagen sind ihr im Gedächtnis geblieben.

Ich sah im Staatstheater Goethes Faust mit Gustav Gründgens, Marianne Hoppe und Emil Jannings; im Schillertheater sah ich Kleists Der zerbrochene Krug mit Heinrich George und Berta Drews, im Admiralspalast Die lustige Witwe mit Johannes Hesters und im Metropol-Theater Hochzeitsnacht im Paradies von Heinz Hentschke mit Gretl Schörg; in den Varieté-Bühnen Scala und Wintergarten sah ich Ballett, Akrobatik und den Clown Charlie Rivel. Daneben ging ich gerne ins Kino: Filme mit Marie Rökk, Zarah Leander, Ilse Werner, Hans Albers und vielen anderen sorgten für Ablenkung und Zerstreuung vor den Schrecken des Krieges. 

Erst mit dem Russlandfeldzug änderte sich so Manches.  Die Luftangriffe, unter denen in den ersten Jahren eher der Westen Deutschlands gelitten hatte, wurden nach Berlin ausgedehnt.

Es war der 01. März 1943, als unsere Familie ausgebombt wurde. Wir bezogen daraufhin im vierten Stock eine Wohnung in der Preußenallee, Nr. 40 in Charlottenburg 9; auch hier hatten wir wie bereits vorher ein Telefon. Die Wohnung lag in der Nähe der U-Bahnhof-Station Neu-Westend. Dorthin flüchteten wir mit vielen anderen Familien, die auch keinen guten Luftschutzkeller hatten, bei Bombenalarm und verbrachten dort viele Bombennächte.

In der dritten Etage wohnte ein Ingenieur von Siemens, dort kam ich unter, und in der vierten Etage die Eltern bei einem norddeutschen General. In der zweiten Etage wohnte meine Freundin Edda Braun; ihr Vater, Alfred Braun, war vor 1933 einer der ersten Rundfunksprecher, musste jedoch unter den Nazis die Tätigkeit aufgeben, emigrierte und kehrte 1939 wieder zurück. In der 1. Etage wohnte ein ‚Obernazi‘.

Attentat auf Hitler

Eva Timm erzählt vom Attentat auf Hitler

Am Tag des Attentats auf Hitler ging ich junges Ding zu meiner Freundin Edda, um sie abzuholen. Edda fragte mich, ob ich schon von dem Attentat auf Hitler gehört habe. Ich erwiderte: „Ist er tot?“ – „Nee“, antwortete Edda, und ich  erwiderte:„Schade!“. 

Das alles hat sich im Hausflur abgespielt, alle Nachbarn bekamen die Gespräche von uns beiden wohl mit. Meine Mutter gab mir die letzte Ohrfeige meines Lebens mit den Worten: „Weißt du, wenn das hier der Obernazi gehört hätte, hätte es deinen Kopf kosten können.“ Immerhin war ich da ja schon 18 Jahre alt. – Der Obernazi hat es wohl nicht gehört.

Flucht aus Berlin

Als die russische Front 1945 immer näher an Berlin heranrückte, verließ unsere Familie mit einem der letzten fahrplanmäßigen Züge – leider für immer – Berlin; insbesondere die Angst des Vater vor den Russen hatte uns dazu bewogen. Auf dieser Fahrt erlebten wir einen Tieffliegerangriff, und wir verkrochen uns dabei unter die Waggons. Wir kamen nach Lauenburg an der Elbe bei einer Feldpostbekanntschaft meines Bruders unter und schliefen vorübergehend in einem Schweinestall. Unterwegs sahen wir riesige Flüchtlingszüge; insbesondere die von den Müttern geschobenen leeren Kinderwagen sind mir im Gedächtnis geblieben.

Eva Timm floh mit ihrer Familie aus Berlin

Englische Besatzungsmacht

Die Kapitulation erlebte ich mit meiner Familie im Keller des Hauses, in dem uns ein kleines Zimmer von 10 qm mit Toilette zugewiesen wurde. Wie überall suchten die Engländer auch hier nach den gefürchteten Werwölfen, die sich angeblich in dieser Gegend versteckt haben sollten. Später gab es gemeinsame Abende mit den englischen Soldaten; insbesondere die gemeinsam gesungenen Lieder sind mir gut im Gedächtnis geblieben.

Eva Timm erlebte die Engländer als Besatzungsmacht
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