Schule

Meine Schulzeit war geteilt durch die unterschiedlichen politischen Systeme.  

 

Grundschule in der Musfeldstraße (1941 - 1943)

Karl Heinz Ruthmann mit obligatorischer Einschulungstüte
Karl Heinz Ruthmann zur Einschulung 1941

Ich wurde 1941 während der Kriegszeit in Duisburg  in der Schule an der Musfeldstraße eingeschult. Wir hatten eine Klassenlehrerin, die zuvor bereits meine ältere Schwester unterrichtet hatte. Ich habe  im Grunde genommen keine besonders herausragenden Erinnerungen an diese Schulzeit, ausser dass wir eben dem System gemäß morgens die Lehrerin mit einem „Heil Hitler“ begrüßten. Sie war nicht besonders nazistisch ausgerichtet, musste aber den Gegebenheiten der seinerzeitigen politischen Richtung entsprechend Tribut zollen.

Ich war zu der Zeit immer noch Daumenlutscher; deswegen musste ich mit einer weiteren Schülerin, die auch Daumenlutscherin war, zur Strafe in der ersten Bank sitzen, und zwar in der Mittelreihe mit pflasterumwickeltem Daumen, den ich sichtbar auf der Bank präsentieren musste. Ich kann gar nicht sagen, dass mich das besonders berührt hatte.

Im 1. Schuljahr fingen wir wie alle anderen mit Griffel und Schiefertafel an zu schreiben, auch in Sütterlin, das ich bis heute lesen kann. Im 2. Schuljahr in der Kriegszeit bekamen wir dann Unterricht in lateinischen Schriftzeichen.

Nach 2 Schuljahren erschien plötzlich in den großen Ferien 1943 eine Mitschülerin mit dem Zeugnisheft, was mir leider abhanden gekommen ist, mit der Mitteilung: Die Schule ist geschlossen, es wird kein Unterricht mehr stattfinden. Aber das war kein Einzelfall, hier im Ruhrgebiet wurden alle Schulen 1943 geschlossen.

Einige meiner Schulkameraden hatten verwandtschaftliche Beziehungen beispielsweise nach Moers oder zum Niederrhein.  Diese Schüler konnten dorthin ausweichen; bei mir war das nicht möglich. Ich war mit meiner Mutter alleine und musste mit ihr die Kriegszeit in Duisburg durchmachen, und zwar bis zum 8. Januar 1945 – da ließ sich meine Mutter evakuieren. Die Entscheidung, die Schulen hier im Ruhrgebiet zu schließen, hing sehr stark damit zusammen, dass niemand die Garantie übernehmen wollte für Leib und Leben der Schüler während eines möglichen Bombenangriffs. Meine Schule war ein sehr altes  und verhältnismäßig solides Gebäude, aber dennoch bestand die Gefahr, dass es zu einem Massengrab werden könnte. Deshalb wurden die Schulen geschlossen.

 

Grundschule in Dänisch-Nienhof (SH) (02 - 05/1945)

Friede in Eckernförde 1945

Zu einem kurzen Schulbesuch kam es bei mir von Februar bis Mai 1945 in Dänisch-Nienhof  bei Kiel (Schleswig-Holstein), denn dorthin waren wir geflüchtet. Es handelte sich um eine Dorfschule, in der Kinder von der ersten bis zur achten Klasse gemeinschaftlich von einer Lehrerin mehr schlecht als recht unterrichtet wurden. Meine Schwester Thea, damals 14 Jahre, saß mit mir in derselben Klasse.

An diese Zeit habe ich aber keinerlei Erinnerung.

 

Grundschule am Hochfelder Markt (3. Schuljahr 1945/46)

Karl Heinz Ruthmann in der Schulbank 1941

Nach Kriegsende wurde über Radio oder über die örtliche Zeitung bekannt gegeben wurde, dass die Schulen wieder allgemein eröffnet würden, und man solle sich an seiner ehemaligen Schule melden. Aber die Schule in der Musfeldstraße wies wohl so viele Kriegsschäden auf, dass die Schüler in ein anderes Gebäude in Duisburg-Hochfeld am Hochfelder Markt ausweichen mussten. Dort fand zunächst eine Versammlung statt, wo aufgetragen wurde, handschriftlich in einem Formular zu verfassen, wie sich die bisherige Schulzeit gestaltet hatte. Das  Formular kam wahrscheinlich in eine Lostrommel, und so wurden die Klassen zusammengestellt.

Die große Schar der Kinder, die sich nach dem Kriege wieder für den Schulunterricht anmeldeten, bestand aus Schülern mit unterschiedlichsten Laufbahnbiografien; teils ohne jeden Unterrichtsausfall, teils – wie in meinem Fall – mit einer Lücke von zwei Jahren. Dementsprechend sah der Bildungsstand aus, der die spärlich vorhandene Lehrerschaft hinsichtlich der Klassifizierung vor eine sicherlich schwierige aufgäbe der Eingruppierung stellte.

Meine Eltern vertraten die Meinung, dass ich wegen der großen Unterrichtslücken, auch mit Blick auf die insgesamt während dieser Zeit offenbar gewordenen Mängel in den Unterrichtmitteln in den Jahren 1945 bis 1947 das fünfte Schuljahr noch einmal durchlaufen sollte.

Man hatte mich, den Lutz (Ludwig) Hecker und den Werner Pawlitzki für eine Versetzung von der Klasse 3b in die 4e ausersehen. Da zu unserem freundschaftlichen dreiköpfigen Kleeblatt noch der Diez (Heinz Dieter) Meier gehörte, machte dieser mit Werner P. einen Deal zum Austausch, so dass wir drei wieder mit Erlaubnis der Lehrer beisammen waren. Somit bin ich mit zwei Klassenverbänden eng befreundet, und es hat nichts mit einem ‚Sitzenbleiben’ zu tun, sondern eher mit einer Angleichung der Schülerzahlen in den fünf Klassen dieser Jahrgangsstufe.

U-Mittel aus der NS-Zeit durften nicht verwendet werden. Es hat mir abgesehen vom Zeitverlust nicht geschadet. Ich wurde von derselben Lehrerin unterrichtet wie in den ersten beiden Schuljahren, denn sie war politisch verhältnismäßig neutral. Ich blieb bis zum 5. Schuljahr dort.

 

Schulischer Werdegang mit 2 Jahren Unterbrechung

Ich versuche mal anhand meiner Nachkriegsschulzeugnisse den zeitlichen Ablauf zu entwickeln:

1. Klasse, Volksschule, Duisburg, 1941vom 01.04.1942 – versetzt

2. Klasse, Volksschule, Duisburg, 1942 - 1943, versetzt

3. Klasse, Volksschule, Duisburg, 1943 bis Sommer 1943

3. Klasse, Volksschule, Dänisch-Nienhof, 02 - 05/1945

4. Klasse, Volksschule, Duisburg,  ab 15.11.1945

5. Klasse, Volksschule, Duisburg  1946/47 bis 05.02.1947

Stempelvermerk: Knabenmittelschule Aufnahmeprüfung bestanden

5. Klasse, Mittelschule, Duisburg   ab 28.10.1947

danach fortlaufend bis Entlassungszeugnis der 10. Klasse vom 21.03.1953

 

Knaben-Mittelschule in Wanheimerort (1947 - 1953)

1947 wechselte ich dann auf die Knabenmittelschule in Duisburg-Wanheimerort. Dort habe ich die ersten 6 Jahre zugebracht. Dann wurde ich mit 3 weiteren Schulkameraden in eine Parallelklasse überstellt, weil sich die Klassenstärken änderten.

Inzwischen wurden wir umbenannt in „Knabenrealschule“. Wir hatten  zum großen Teil altersmäßig arrivierte Lehrer, die man wohl aus ihrem Pensionsstatus rausgeholt hatte, um die Lücken, die der Krieg in der Lehrerschaft hinterlassen hatte, zu füllen. Wie sehr man sich nach dem Krieg beholfen hat, zeigt auch folgende Beschreibung: Es gab an der Schule einen Lehrer (bei dem hatte ich keinen Unterricht), der in seiner Kluft als Panzerfahrer kam; ansonsten hatte der Mann nichts anzuziehen.

Wegen der sich immer wieder ändernden Klassen nehme ich jetzt an zwei Klassentreffen teil: Seit 1953 bis jetzt, also weit über 60 Jahre, treffen wir uns regelmäßig alle zwei Jahre. Da kommen Leute aus den USA,  der Schweiz,  Kanada und natürlich von hier aus dem erweiterten Einzugsgebiet. Der Kreis wird leider immer kleiner, ich habe Fotos, die das belegen. Die letzten Klassentreffen, das sieht schon ganz schön traurig aus, aber wir bringen meistens noch zwischen 10 und 15 Mann je Klasse zusammen.

 

Video: 1941 - 1953 Schulischer Werdegang

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