Schulzeit nach dem Krieg

Meine Mutter war in den letzten Kriegszeit bereits zu ihrer Schwester nach Mülheim-Heißen gezogen; in Essen-West waren wir ja ausgebombt. Wir wohnten in der Nähe der zeche Rosendelle. Deswegen besuchte ich von November 1945 bis Mitte April 1946 (Ostern war am 19.04.1946) noch die 8. Klasse die Wilhelmschule am Fünter Weg in Mülheim. Damals hieß sie noch Wilhelmschule, heute am Blötter Weg. Das Mobiliar war noch genau so, sie ich es 1938 bei der Einschulung kennengelernt hatte. Fest verbundene Bänke mit Schreibplatz für jeweils 2 Schüler, allerdings angepaßt an das Alter und die Größe der Schüler. In diesem letzten halben Jahr konnte ich nicht mehr viel lernen. Die Klasse war neu eröffnet mit Schülern, die wegen der Kriegsereignisse ein oder zwei Jahre in diese Schule gehen konnten und somit noch viel Nachholbedarf hatten.

Ich habe in dieser Zeit nichts dazu gelernt, denn unser Lehrer war Rektor Meier, der war vorher schon paar Jahre in Pension, man hatte ihn nach dem Krieg wieder reaktiviert. Auch war er gezwungen, in allen Fächern zu unterrichten. Geschichte und Erdkunde wurden jetzt nicht mehr behandelt. Eine unheilvolle Geschichte hatten wir gerade hinter uns. Erdkunde war beschränkt auf vier von den Alliierten besetzte Zonen.

Herr Rübenkamp erzählt über seine Schulzeit nach dem Krieg

Aber wir sind gerne zur Schule gegangen, denn es gab noch einen positiven Aspekt: In der Pause gab es für jeden Schüler eine Portion sogenannte Quäkerspeisung. Es handelte sich um eine undefinierbar braune, süß schmeckende Suppe. Und wir haben sie mit Heißhunger gegessen. Also, das war der Hauptgrund, warum wir morgens zur Schule gegangen sind, das Lernen war uninteressant. Als Quäkerspeisung bezeichnete man die humanitäre Hilfe der britischen oder amerikanischen Quäker. Der Initiator der Speisung war der spätere US-Präsident Edgar Hoover. Die Quäker sind eine christliche Freikirchliche Glaubensgemeinschaft. 

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