Freizeitgestaltung nach dem Krieg

Kino

Die Möglichkeit, Sport zu betreiben, war kurz nach Kriegsende noch sehr spärlich, denn es gab keine Turnhallen. Viele Sportplätze waren belegt mit Notunterkünften. Unser Vergnügen bestand in erster Linie aus Kinobesuchen. Da gab es in Mülheim einige Kinos: Ufa-Palast, Löwenhof, das modernste war in der Bachstraße. Mein damaliger Freund Franz und ich hatten die grandiose Idee, sonntags schon um 11 Uhr in die Stadt zu fahren. Wir kauften an jedem Kino 10 Karten, für den Ufa-Palast 10 Karten für die 14 Uhr-Vorstellung, für den Löwenhof 10 Karten für die 16 Uhr-Vorstellung und für das Moderne 10 Karten für die 18.30 Uhr-Vorstellung. Man muss wissen: Kino war zu dieser Zeit so ziemlich das einzige Vergnügen, das es gab.

Herr Rübenkamp erzählt über die Freizeitgestaltung kurz nach dem Krieg

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Lehre zum Schmied

Ostern 1946 (Mitte April) wurde ich aus der Schule entlassen. Direkt am 2. Mai begann ich mit der Lehre. Man  hatte  mir eine Schmiedelehre auf der Schachtanlage Rosendelle in Mülheim besorgt. Das war zu der Zeit ein Glücksfall. Ein Onkel war Fahrsteiger auf der Zeche Rosendelle, und durch seine Fürsprache erhielt ich diese Lehrstelle. Die Lehrwerkstatt des Mülheimer Bergwerkvereins war nicht zerstört, und es gab für diese Zeit eine hervorragende Ausstattung an Maschinen und Ausbildungsmaterial.

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Überleben in der Nachkriegszeit

Nach Beendigung des Krieges wurde die Versorgung der Bevölkerung katastrophal. Manchmal gab es Lichtblicke. In Selbeck an einem Tag Ende 1945 kam Bauer Kocks – den Hof gibt es heute noch – zu uns in die Schule und bat beim Rektor um Hilfskräfte zum Kartoffelauflesen. Die komplette Klasse war natürlich bereit und auch sofort. Wir haben als Lohn für diese Arbeit jeden Tag 10 kg Kartoffeln bekommen. Es waren aber immerhin 6 bis 7 Stunden Arbeit. Gut, wir freuten uns jedenfalls damals sehr in 3 Tagen 30 kg Kartoffeln mit nach Hause zu nehmen.

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Konfirmation

Die Konfirmation absolvierte Horst Rübenkamp 1946 innerhalb weniger Monate

Religionsunterricht war in den ganzen Jahren keine Thema. Um noch an einem Konfirmationsunterricht teilnehmen zu können, meldete ich mich im Spätherbst 1945 bei unserem zuständigen Pfarrer an, um im Frühjahr 1946 konfirmiert zu werden, jedenfalls noch vor Schulende zu Ostern, also für ungefähr 1/2 Jahr. Wegen unserer widrigen Umstände hatte ich mich manchmal geschämt, zur Schule zu gehen, auch zum Konfirmationsunterricht. Meine Schuhe hatten eine 2 cm dicke Holzsohle, was ein normales Gehen fast unmöglich machte. Es gab in unserer Schule einige Schüler, die nicht so hart von den Bombenangriffen betroffen waren, die hatten zum Teil auch ihre Bekleidung. Wenn meine Bekleidung gewaschen werden musste, blieb ich zu Hause.

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Schulzeit nach dem Krieg

Meine Mutter war in den letzten Kriegszeit bereits zu ihrer Schwester nach Mülheim-Heißen gezogen; in Essen-West waren wir ja ausgebombt. Wir wohnten in der Nähe der zeche Rosendelle. Deswegen besuchte ich von November 1945 bis Mitte April 1946 (Ostern war am 19.04.1946) noch die 8. Klasse die Wilhelmschule am Fünter Weg in Mülheim. Damals hieß sie noch Wilhelmschule, heute am Blötter Weg. Das Mobiliar war noch genau so, sie ich es 1938 bei der Einschulung kennengelernt hatte. Fest verbundene Bänke mit Schreibplatz für jeweils 2 Schüler, allerdings angepaßt an das Alter und die Größe der Schüler. In diesem letzten halben Jahr konnte ich nicht mehr viel lernen. Die Klasse war neu eröffnet mit Schülern, die wegen der Kriegsereignisse ein oder zwei Jahre in diese Schule gehen konnten und somit noch viel Nachholbedarf hatten.

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Endgültige Heimkehr

So vergingen die Monate. einmal hat uns in dieser Zeit Lehrer Dahlhof besucht, der andere Lehrer hatte sich bereits abgesetzt und auch unser Lamafü hatte sich verpisst. Ende Oktober kam Herr Dahlhof noch einmal zu uns auf den Hof und berichtete, er hätte eine Möglichkeit für uns, nach Hause zu kommen. Von uns ehemaligen 60 Jungen hatte sich der größte Teil schon im Sommer auf den Weg gemacht.

Herr Dahlhof sagte, einige amerikanische Trucks führen, um Nachschub zu holen, und wir dürften auf der Ladefläche mitfahren. Super, die Familie Biebl war sehr traurig, so unvermittelt zwei so billige Arbeitskräfte zu verlieren. Mutter Biebl nähte noch schnell zwei Rucksäcke aus selbst gesponnenem Leinen, füllte diese mit einigen Lebensmitteln. vor allem war Brot darin, und deswegen haben wir auch überlebt. Dann bekam jeder von uns noch 5 Reichsmark, eine fürstliche Entlohnung, wenn man bedenkt, dass zu dieser Zeit eine amerikanische Zigarette schon 7 Reichsmark kostete. Aber egal, wir waren froh nach Hause zu kommen.

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Überleben in Kitzenried

Mein Freund Manfred und ich fanden also bei der Familie Biebl Unterschlupf für das nächste halbe Jahr. Die ganze Familie Biebl bestand aus 7 Personen, Herr Biebl, ein Mann, der nicht allzu viel zu sagen hatte, Frau Biebl führte das Regiment. Der Sohn Michel, der augenscheinlich einige Schuljahre verpennt hatte, und drei Töchter, Marie, Kathie und Frieda, außerdem war da noch der Sohn Hans.

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