Hansi Frost

Ich vergesse manchmal alles, auch was auch gut war; aber Manches eben nicht. Ich hatte einen kleinen jüdischen Freund, der war jünger als ich, (mein Gott, ich kriege schon wieder Herzklopfen), ein blonder, kleiner jüdischer Junge. Der freute sich immer, wenn ich aus der Schule kam. Es ist ja manchmal so, dass sich kleinere Kinder freuen, wenn sie mit einem größeren Kind spielen dürfen. Der freute sich jedesmal, wenn er mich sah, und hopste, und das war Hansi Frost. Der Name ist in meinem Hirn drin wie eingemeißelt.

Seine Eltern hatten ein kleines Zigarettengeschäft, so um die Ecke herum, und da ging ich immer Zigaretten kaufen, für meinen Vater R6 und für meine Mutter Muratti, das war damals erlaubt.  Auf einmal stand an diesem Laden: Erna Sara Frost. Ich wusste gar nicht, dass es ein jüdisches Geschäft war. Auf einmal war der Erna-Sara-Frost-Laden kaputt, und mein Hansi war weg. Ob er das überlebt hat, ich weiß es nicht.

Doppelte Rettung

Während eines Schneesturmes musste ich das Hochgebirge passieren . Ein Tibeter begleitete mich.

Da entdeckten wir einen Verletzten, der einen Abhang hinabgestürzt war. Ich sagte: „Wir müssen ihm helfen!“ Mein Begleiter meinte: „Niemand kann das verlangen. Wir sind doch jetzt selbst in höchster Gefahr. Wir können verschüttet werden oder erfrieren.“– „Wenn wir schon sterben müssen“, antwortete ich, „dann ist es doch besser, wir sterben für den Dienst eines anderen.“ Er wandte sich ab und ging seines Weges. 

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Das Wunder

Der Student rief sich noch einmal alles in Erinnerung, was man ihm beim Nikolaus-Verleihdienst eingeprägt hatte. Auf keinen Fall dürft ihr den Kinderschreck machen, hatte man ihnen gesagt. Auch dann nicht, wenn die Eltern es wünschten. Der Student hatte sich alle Mühe gegeben, den frommen und guten Nikolaus darzustellen. Aber es half nichts. Das Kind schrie wie am Spieß. Die Mutter machte eine resignierende Handbewegung und gab dem Studenten ein Zeichen, das Zimmer zu verlassen.

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Eva Timm – Resümée

Ich heiße Eva Timm und bin am 04. September 1926 in Berlin geboren. 92 Jahre Leben – es ist so viel geschehen – wie sehr hat sich die Welt verändert! Eine kurze Zeit Frieden zwischen zwei Weltkriegen – dann 12 Jahre 1000-jähriges Reich – zuerst mit Aufbau, dann mit Hetze, Zerstörung und unendlichem Leid. Dann, 1945, der Friede, mit Entbehrungen und Hunger – aber die Hoffnung auf ein besseres Leben gab die Kraft zum Wiederaufbau. Und nach einigen Jahren war aus Deutschland wieder ein Land geworden, um das uns viele in der Welt beneiden.

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Wie sich die Nationalsozialisten ihrer Jugend bemächtigte

Wie sich das Dritte Reich seiner Jugend bemächtigte
Wie sich das Dritte Reich seiner Jugend bemächtigte

Das Motto „Jugend führt Jugend“ hört sich nach heutigen Maßstab nicht ganz unmodern an. Denn welches Kind, welcher Jugendliche lernt nicht gern von Größeren oder erlebt einen größeren Wert seiner Selbst, wenn er etwas zu sagen hat. Auch heute noch macht sich die Pädagogik diese menschlichen Eigenschaften zunutze.

Dass man aus Kindern auf die gleiche Art und Weise auch glühende Nazis machen kann, zeigt die ideologische Erziehung zu Zeiten Hitlerdeutschlands. Denn kommen zu den oben genannten Prinzipien noch Sport, Zeltlager mit Lagerfeuer, Gemeinschaftserlebnisse, Mutproben bestehen, Fahrten, Heimabende, Lieder, Wettkämpfe, Wandern und Singen, Wertevermittlung wie Kameradschaft (heute: Freundschaft), sich gegenseitig helfen und beistehen usw. dazu, ist der Weg nicht mehr weit zu Pflichtbewusstsein, Liebe zum Führer und dem freiwilligen Einsatz seines eigenen Lebens für die Idee des Nationalsozialismus, wie es mindestens 70% des Jahrgangs 1928 zeigten, als sie sich (mehr oder weniger) freiwillig für den sogenannten Volkssturm gemeldet hatten, um das vom Untergang bedrohte Deutschland in letzter Minute noch zu retten, wobei ca. 70.000 15-17-Jährige den Tod fanden.

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