Zuhören, was die Alten sagen

Generationen sprechen über den Krieg

Generationen sprechen über den Krieg: Dieser Titel war am 21.06.2022 das Thema für eine Abendveranstaltung im Gemeindezentrum Scharpenberg in Mülheim an der Ruhr im Rahmen von 10 Themenabenden, die als Gemeinschaftsinitiative der Stadt Mülheim und vielen Netzwerken des Psychozialen Krisenmanagement stattfand. Unter der Leitung von Herrn Prof. Karutz waren drei Zeitzeugen der ZeitZeugenBörse Mülheim an der Ruhr eingeladen, um über ihre Erlebnisse während des 2. Weltkriegs und der Nachkriegszeit zu berichten.

Lesen Sie  hier den Bericht von Frau Loose:

Zur Vorbereitung fanden persönliche Telefongespräche mit jedem Zeitzeugen statt. Dann kam es am 14.06.2022 zu einem Kennenlernen mit Herrn Prof. Karutz und allen Zeitzeugen in den Räumen der Mülheimer Feuerwehr. Da wir untereinander ja bereits unsere Geschichten kannten, waren wir gespannt, wie diese auf Herrn Prof. Karutz wirken würden und wo er vielleicht seinen Fokus drauflegen würde. Nebenbei wurde auch der Ablauf des Veranstaltungsabend durchgesprochen. 

Eine Woche später, am 21.06.2022, war es dann soweit, und ein Abend, den wir sicher nicht vergessen werden, begann. Zunächst stellte Herr Prof. Karutz das Anliegen des heutigen Abends vor, nämlich wie es für alle ist, wenn 77 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges plötzlich wieder ein Krieg in Europa herrscht und was das mit uns allen macht.

Wir als Zeitzeugen wurden gebeten, unsere Eindrücke zum Unkrainekrieg zu schildern und wie wir mit unserem Lebenshintergrund „Krieg“ damit umgehen würden. Danach begannen wir drei Zeitzeugen nacheinander unser Erlebtes während des 2. Weltkrieges und in der Nachkriegszeit dem intensiv zuhörendem Publikum zu schildern.

Die erste Rednerin war Frau Storks. Sie erzählte von ihren schrecklichen Erlebnissen als Kind im Bunker, in dem sie mit ihrer Mutter monatelang leben musste. Herr Heckmann berichtete von seiner Zeit als Soldat im Alter von 16 Jahren mit all seinen fürchterlichen Widrigkeiten, und wie er es geschafft hatte, nach dem Krieg ins Berufsleben zu finden. Ich erzählte aus meiner Kindheit über das Leben mit meinem kriegsversehrten Vater und wie sehr meine Eltern bemüht waren, mir nach all der schrecklichen Zeit eine schöne Kindheit zu bereiten.

Ich glaube sagen zu können, dass wir drei uns trotz des schweren Themas durch die fürsorgliche Moderation von Herrn Professor Karutz gut aufgehoben gefühlt haben, denn es war deutlich zu spüren, wie interessiert das Publikum den Erzählungen folgte.

In der darauf folgenden Pause stellte Frau Storks dem Publikum ihren „Koffer der Erinnerung“ vor und beantwortete alle dazu anfallenden Fragen. „Der Koffer der Erinnerung“ war ein Projekt zu Beginn unserer Zeitzeugentätigkeit; hier wurden alle Gegenstände „hineingepackt“, die etwas mit unserer Kindheit zu tun hatten und somit Erzählanlässe werden können.

Zum Abschluss der Veranstaltung wurde den Zuhörern die Gelegenheit gegeben, uns Zeitzeugen Fragen zu stellen. Die Verbindung 2. Weltkrieg und Krieg in der Ukraine legten Kommentare hierzu nahe. Viele Zuhörer berichteten selbst aus ihrer Zeit im Krieg und man tauschte Gedanken zu Krieg und Frieden aus.

Diese Art des Abschlusses hat mich persönlich sehr gefreut. Gerade diese Art der Diskussion und Reaktion des Publikums hat diese Veranstaltung zu etwas Besonderem gemacht. Frau Storks, Herr Heckmann und meine Wenigkeit werden diesen Abend in guter Erinnerung behalten, da uns die Emotionen der Anwesenden sehr berührt haben. 

Juli 2022

J.L.

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