Evakuierung aus der Tschechei

Noch Anfang April 1945 befand ich mich mit 60 anderen Jungen in einem KLV-Lager in Pardubitz in Böhmen und Mähren, Tschechische Republik. Wir hatten dort trotz des Krieges eine unbeschwerte Zeit verbracht, doch die Front rückte näher. Lange Trecks mit Flüchtlingen aus Oberschlesien zogen an unserem Lager vorbei und berichteten, was ihnen widerfahren war. Beeilt euch, der Russe kommt, hörten wir immer wieder. Jedoch am 10. April 1945 – plötzlich und überraschend, denn wir hatten morgens noch Unterricht – wurde uns mitgeteilt: Packt eure Sachen, wir fahren nach Hause. Wir waren erfreut, nach zwei Jahren endlich wieder nach Hause zu kommen. Wir glaubten noch an eine ganz normale Heimkehr mit der Bahn usw. In diesem Moment war jedenfalls die Freude wirklich groß. Wir packten unsere Koffer und Taschen und marschierten mit dem Gepäck 8 km zum Bahnhof der Stadt Padowitz. Wir wussten zu dieser Zeit noch gar nicht, dass unsere Heimat, das Ruhrgebiet, schon längst von den Amerikanern eingenommen war. Wir hatten seit Monaten nichts mehr von Zuhause gehört, unsere Briefe sind nämlich nie angekommen, wie ich erst nach dem Krieg erfahren habe. 

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