Unterstützung bei der Gewichtsabnahme

Schon vor Jahrzehnten haben wir in der Arzt-Praxis, in der ich beschäftigt war, bei Schulungen von Patienten die Ernährung bei Erkrankungen wie Diabetes mellitus und coronarer Herzkrankheit besonders im Blick gehabt. Die meisten Patienten nahmen dieses Schulungen gerne wahr. Bereits zu Beginn der Schulung stellten sie ihre Ernährung um und schon innerhalb der Schulungszeit von 5 Wochen konnte eine leichte Gewichtsreduktion gemessen werden.

Was in den Schulungen erfolgversprechende Ergebnisse aufzeigte, könnte doch für Menschen, die ein Problem mit ihrem Körpergewicht haben, ebenfalls von Nutzen sein, so meine Überlegung. 

Langsam aber sicher reifte in mir der Wunsch, mich mit dieser Thematik an Patienten zu wenden, die mit ihrem Gewicht unzufrieden waren. Immer wieder war mir auch von Seiten der Patienten zugetragen worden, dass keine „Diät“ langfristig Erfolg gebracht hätte. 

Zunächst entwickelte ich ein Konzept, wie ich dieses Projekt angehen und umsetzen wollte, zumal ich es nur außerhalb meiner Arbeitszeit ausüben konnte. Als ich mit meiner Planung fertig war, besprach ich mit meinem Chef mein Vorhaben. Er konnte dem Konzept zustimmen, und er erteilte mir die Erlaubnis, hierfür die Praxisräume nach Praxisschluss nutzen zu können, und los ging es. 

Zuerst wurden die von mir erstellten Informations-Flyer für meine kostenlose Schulung zur Gewichtsabnahme bei Übergewicht auf dem Anmeldetresen der Praxis ausgelegt. Binnen weniger Tage hatten sich 14 Patienten zum bekannt gegebenen Termin angemeldet.

Das erste Treffen gestaltete sich für mich einfacher als ich es erwartet hatte, denn in kürzester Zeit waren die Unsicherheiten bei den Patienten abgebaut, und sie sprachen miteinander, was für mich ein gutes Zeichen war. Bei solch einem sensiblen Thema wie Übergewicht ist es ein großer Vorteil für die Zusammenarbeit, wenn die Teilnehmer innerhalb der Gruppe gut miteinander harmonieren.

Jede Person wurde zu Beginn der Schulung in einem separaten Raum von mir gewogen, anschließend die Körpergröße festgestellt, der Bauchumfang gemessen, der BMI-Wert berechnet, und ich erkundigte mich nach bestehenden Erkrankungen. Anschließend fanden in der Runde Gespräche statt, weshalb jeder Einzelne von ihnen an der Abnehmaktion teilnehmen wollte. Dann stellte ich mein Programm vor, mit dem die Teilnehmenden langsam, aber erfolgreich abnehmen könnten, was sehr wichtig war, denn das Abnehmen sollte nicht zur Qual oder frustrierend für sie werden.

Ich hatte mich für eine Insulin-Trennkost entschieden, mit der wir damals bei unseren Diabetikern, die kein Insulin spritzen mußten, gute Erfolge hatten. Als Alternative wäre auch eine mit Medikamenten unterstützende Maßnahme in Frage gekommen, die ich persönlich aber für nicht praktikabel hielt, da mit unangenehmen Nebenwirkungen zu rechnen gewesen wäre, wenn sich nicht an die vorgegebene Regel zur Einnahme gehalten wurde.

Da sich bei den Gesprächen mit den Teilnehmern herausstellte, dass die Ernährung bei allen Anwesenden in irgendeiner Weise ein echtes Problem darstellte, musste ich anfänglich viel Aufklärungsarbeit leisten. Vordergründig waren bei den Teilnehmern natürlich falsche Essgewohnheiten festzustellen, aber noch erheblicher war die Tatsache, wie wenig im häuslichen Umfeld gekocht wurde. Fast food, Fertiggerichte, Chips und Gebäck wurden am liebsten verzehrt, oder es wurden mal eben nur Stullen mit meist fetter Wurst verspeist. Zuckerhaltige Getränke wurden ebenfalls in großen Mengen konsumiert. Das Gläschen Wein oder Bier wurde aber auch nicht verschwiegen.

Als ich genug Informationen von den Teilnehmern hatte, wurde der Abnehmplan intensiv besprochen. Anschließend habe ich jede aufkommende Frage beantwortet und Essvorschläge unterbreitet, die zu einer ausgewogenen Ernährung unbedingt erforderlich waren. Das Einkaufen  gesunder Lebensmitteln wurde ebenfalls intensiv besprochen.

Die Treffen fanden in 14-tägigen Abständen statt, wobei das Wiegen und das Messen des Bauchumfangs immer dazugehörten. Schon zu unserem zweiten Treffen hatte ich einige leichte Rezepte  mitgebracht, die meine Teilnehmer zu Hause nachkochen konnten. So ging es über etliche Wochen weiter, der Abnehmplan wurde von den Mitgliedern der Gruppe eingehalten, das Selberkochen trat immer mehr in den Vordergrund, körperliche Bewegung, die zuvor keine große Rolle gespielt hatte, kam nun immer mehr zur Umsetzung, was bedeutete, dass mehr Wege zu Fuß bewältigt wurden.

Nach diesen Fortschritten motivierte ich die Teilnehmer zu sportlichen Aktivitäten. Da sie sich wegen ihres Übergewichts genierten und es ihnen unangenehm war, sich dabei in der Öffentlichkeit zu zeigen, hatte ich allerdings sehr viel Überzeugungskraft aufzuwenden. 

Aber auch diese Hürde wurde genommen, und so trafen sich einige selbsttätig gemeinsam zum Wandern, andere zum Schwimmen und ein anderer Teil besuchte eine Gymnastikgruppe. Auch gemeinsames Kochen stand in regelmäßigen Abständen auf unserem Plan. Diejenigen, die sich daran beteiligten, wechselten sich regelmäßig untereinander ab, und auch ich nahm daran teil.

Sehr groß war immer die Freude, wenn sich die Konfektionsgröße von meinen Teilnehmern verringerte, sie immer mehr an Selbstbewusstsein gewannen und ihnen das Shoppen wieder richtig Spaß machte, wie sie allgemein berichteten, und sie ihre neuen Errungenschaften bei unseren nächsten Zusammenkünften voller Stolz vorstellten.

Insgesamt habe ich mich über mehrere Jahre in dieser Hinsicht engagiert, natürlich immer wieder mit neuen Patienten, denn nach einigen Monaten kannten die Teilnehmer alle zum Abnehmen notwendigen Maßnahmen, die erforderlich waren, um ihren Erfolg der Gewichtsreduktion weiterhin halten zu können. Danach habe ich mich einer neuen Herausforderung gewidmet.

J.L.
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